Zuschuss für Afrikas Energiewende

Daniel Reissmann 8. Dezember 2015 0


Für viele Entwicklungsländer ist die Energiewende allein kaum zu schaffen. Gerade die afrikanischen Staaten haben aktuell noch viel essentiellere Probleme als den Klimawandel. Nichtdestotrotz wären es eben diese Länder, die wahrscheinlich am meisten von den Folgen der Erderwärmung in Form von Dürren, Überschwemmungen und Extremwetterereignissen betroffen wären. Schon seit geraumer Zeit gibt es daher Forderungen dahingehend, dass die Industriestaaten die Energiewende in Afrika unterstützen sollten. Schon beim G7-Gipfel in Elmau hatte eine entsprechende afrikanische Initiative darauf aufmerksam gemacht. Nun hat eine Reihe von Industrienationen am Rande des Weltklimagipfels in Paris insgesamt 10 Milliarden US-Dollar für die Förderung erneuerbarer Energien in Afrika zugesagt, darunter auch Deutschland.

© visdia - Fotolia.com

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Weltweite Klimaschutzziele nur gemeinsam erreichbar

Die Entwicklungs- und Schwellenländer sind für viele Experten die Schlüsselnationen im Kampf gegen den globalen Klimawandel. Gerade große Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien müssen Verantwortung übernehmen, denn immerhin gehören die genannten Nationen zu den weltweit größten Emittenten des Treibhausgases CO2. Die Entwicklungsländer dagegen emittieren bislang noch verhältnismäßig wenig. Das hat vor allem einen Grund, eine flächendeckende Energieversorgung existiert in diesen Staaten schlicht und einfach zum Großteil noch nicht. Länder wie Kongo oder Liberia sind beispielsweise gerade erst am Anfang eine flächendeckende Stromversorgung aufzubauen. Damit die afrikanischen Staaten allerdings von den vergangenen Fehlern der heutigen Industrie- und Schwellenländer in ihrer eigenen Entwicklung verschont bleiben, ist die Unterstützung der führenden Industrienationen unabdingbar. Ohne Hilfe würden viele afrikanische Staaten wohl eher auf Kohle, Öl oder Gas als Energieträger setzen. Die Technologien sind leichter anwendbar und zudem verfügen viele afrikanische Länder noch über reichhaltige Rohstoffreserven.

Afrikas Entwicklung positiv beeinflussen

Genau diesen Weg will man allerdings nicht, da er die angestrebten Klimaziele wahrscheinlich in weite Ferne rücken würde. Aus diesem Grund sollten insbesondere die Industriestaaten Afrikas Ausbau der Energieversorgung in die richtige Richtung lenken. Durch finanzielle Unterstützung beim Ausbau der erneuerbaren Energien haben die afrikanischen Staaten nämlich die Chance in vielen heute noch unterversorgten Regionen die fossil basierte Wirtschaft zu überspringen und direkt erneuerbare Energien zu nutzen. Afrikas Potential dahingehend ist enorm. Schon allein die Anzahl der Sonnenstunden auf dem Kontinent ist ein wesentliches Argument für die Installation von Photovoltaikanlagen, denn diese sind unter derartigen Bedingungen beinahe grundlastfähig. “Das Potenzial für erneuerbare Energien in Afrika ist enorm. Rund 600 Millionen Menschen haben in Afrika keinen Zugang zu Strom”, erklärte beispielsweise Bundesentwicklungsminister Gerd Müller am Rande des Weltklimagipfels. “Mit dieser Initiative kann Afrika einen großen Schritt auf dem Weg zu einem grünen Kontinent bei der Stromerzeugung machen. Dabei unterstützen wir unsere afrikanischen Partner nach Kräften, finanziell, aber auch mit dem Wissen und technologischen Know-how der deutschen Wirtschaft. Wir müssen als Industrieland vorangehen und unsere Partnerländer dabei unterstützen, unsere Fehler nicht zu wiederholen und ihre Entwicklung vom Ausstoß von Treibhausgasen zu entkoppeln.”

Deutschland übernimmt Bärenanteil

Neben Deutschland, welches mit drei Milliarden Euro den größten Anteil zur Verfügung stellt, sind Frankreich, die USA, Großbritannien, Kanada, Schweden, die Niederlande, Italien, Japan und die EU-Kommission mit von der Partie. Die Initiative ist auch ein wichtiges Signal, denn unter vielen Teilnehmern des Weltklimagipfels gilt die Unterstützung der armen Länder im Kampf gegen den Klimawandel als zentrale Herausforderung. Perspektivisch strebt die Initiative ein Ausbauziel von 300 Gigawatt erneuerbaren Energien in Afrika bis 2020 an. Daher wurde auch aktiv dazu aufgerufen, dass sich weitere Geber beteiligen. “Diese Initiative ist enorm wichtig für den weltweiten Klimaschutz. Afrika hat einen großen Energiehunger. Wir müssen jetzt verhindern, dass dieser Hunger mit Kohle, Öl und Gas gestillt wird. Erneuerbare Energien sind die bessere Lösung.”, resümiert Bundesumweltministerin Barbara Hendricks die Intentionen hinter der Finanzspritze. Durch diese positive Nachricht steigt der Optimismus auf ein neues und möglichst verbindliches Klimaschutzabkommen als Ergebnis von COP21 weiter. Viele Staaten scheinen hoch motiviert und auch zu finanzielle Verpflichtungen bereit.


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