Wohin mit dem Müll? Potentiale für ungenutzten biogenen Abfall

Daniel Reissmann 2. Oktober 2015 0


In Deutschland fallen täglich tonnenweise Müll und Abfall an. Ein Großteil ist biogener Natur und kann rein theoretisch weiterverarbeitet werden. Dennoch wird rund ein Drittel der biogenen Rest- und Abfallstoffe nicht genutzt, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ). Insbesondere Waldrestholz, Getreidestroh und tierische Exkremente bergen ein hohes Potential.

Bioenergie

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Auch Bundesregierung will Nutzung von biogenen Abfall verstärken

Das DBFZ richtet sich als Bundesforschungseinrichtung maßgeblich nach den Zielen der Bundesregierung. Diese beabsichtigt, dass bis 2050 rund 550 Terrawattstunden (TWh) des Primärenergieverbrauchs durch Biomasse gedeckt werden soll, insbesondere Abfall- und Reststoffe sollen dabei genutzt werden. „Die energetische und integrierte stoffliche Verwertung bisher nicht genutzter biogener Abfälle und Reststoffe ist ein wesentlicher Arbeitsschwerpunkt des DBFZ. In diesem Bereich liegt Deutschland weltweit im Spitzenfeld und über die laufenden nationalen und internationalen Projekte können wir als DBFZ einen wesentlichen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten”, so die Einschätzung von Prof. Dr. Michael Nelles, dem wissenschaftlichen Geschäftsführer des DBFZ.

Großteil der Rest- und Abfallstoffe ungenutzt

Das DBFZ hat ein Gesamtpotential an bislang ungenutzter Biomasse bei Rest- und Abfallstoffen von 30,9 Millionen Tonnen errechnet. Dies entspricht einem Energiegehalt von rund 125 Terrawattstunden (TWh). Doch nicht alles an Rest- und Abfallstoffen muss zwingend energetisch genutzt werden, stoffliche Weiterverarbeitungen, etwa für die Dämmstoff- oder Chemieindustrie bergen ein hohes Wertschöpfungspotential. Im Anschluss können die Abfallprodukte aus der stofflichen Verwendung wiederrum energetisch verwertet werden, hierbei spricht man von sogenannten Kaskadennutzungen.

Comeback der Biomasse

Nachdem die Bioenergie durch den Wegfall vieler Förderinstrumente in die Krise rutschte, gingen einige Kritiker bereits davon aus, dass Biomasse künftig keine Rolle mehr für die Energiewende spielen wird. Doch die neuen Anwendungsfelder zeigen, dass die biogenen Stoffe zurückkommen. Vom Energiepflanzenanbau hat man sich weitgehend verabschiedet, da insbesondere die Konkurrenz mit dem Nahrungsmittelanbau nicht zu handhaben ist. Daher wird nun verstärkt auf Rest- und Abfallstoffe gesetzt. Diese stofflich als auch energetisch zu nutzen ist der neue Clou, denn damit können viele Branchen abseits der Energiewirtschaft profitieren, was auch die Vermarktung von Biomasse weitaus reizvoller macht. Durch Koppelproduktionen oder Kaskadennutzungen kann noch mehr Wertschöpfung aus den Reststoffen geholt werden. Das DBFZ hat seine Forschungsfelder bereits dahingehend angepasst und bewegt sich nun intensiv auf Gebiet der sogenannten biobasierten Wirtschaft. Eine Vision von einer Welt auf Basis nachwachsender statt fossiler Rohstoffe. In diesem Bereich wird es in Zukunft mit Sicherheit noch einige Innovationen geben, denn die Idee ist noch nicht alt und birgt noch viel Potential.


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