Windenergie


Die Windkraftbranche

Bei der Energiewende spielt die Windenergie eine ganz besonders große Rolle, denn sie ist die Branche der Erneuerbaren in Deutschland, die es bisher am längsten gibt und die am erfolgreichsten ist. An sich wird die Kraft des Windes bereits seit Jahrtausenden von den Menschen dafür genutzt, Energie zu erzeugen und damit Maschinen anzutreiben. Man betrachte allein die Nutzung des Windes zur Fortbewegung von Segelschiffen oder Ballons, doch auch der Antrieb von Windmühlen und Wasserpumpen wird seit langer Zeit vom Wind ermöglicht.

Die Energiewende

Doch gerade im Zuge der Energiewende und dem Ausbau der erneuerbaren Energien spielt die Windkraft eine extrem große und wichtige Rolle. Schon bevor bekannt wurde, dass Deutschland komplett aus der Atomkraft aussteigen würde und deshalb in den nächsten Jahrzehnten die erneuerbaren Energien die Energieversorgung des Landes werden übernehmen müssen, waren Windkraftanlagen in Deutschland kein unbekanntes Bild. Seit die Energiewende jedoch entschieden ist, scheint vielen Menschen erst aufzufallen, wie wichtig die Windmühlen tatsächlich sind, die landesweit aus dem Boden sprießen.

Gerade in Norddeutschland sind Windparks keine Seltenheit. In Küstennähe scheinen diese manchmal von einem Horizont zum nächsten zu reichen, besonders an der schleswig-holsteinischen Westküste, an der Nordsee, ist der Anblick von großen Windkraftparks normal. Hier weht stets genug Wind, so dass sich der Betrieb der Anlagen auch lohnt. Doch in ganz Deutschland wird man die neuen Windmühlen finden, nicht nur an den Küsten. In den neuen Bundesländern hat man sich in den vergangenen Jahren auch verstärkt  um den Ausbau von erneuerbaren Energiequellen bemüht und in Brandenburg und Sachsen-Anhalt sieht man vermehrt große Windparks.

Probleme der Windkraft

Das große Problem bei der Energieversorgung durch Windenergie ist noch immer die Kontinuität, denn es gibt nun einmal Tage, an denen kein Wind weht. Die so genannte Unstetigkeit des Windes bereitet deshalb den Experten immer wieder Kopfzerbrechen, denn ohne große Stromspeicher ist eine durchgehende Versorgung durch die Windkraft einfach nicht möglich. Die Schwankungen sind teils extrem hoch und müssen deshalb im Zusammenspiel mit anderen Kraftwerken ausgeglichen werden. An windreichen Tagen geht viel überflüssige Energie verloren, weil sie nicht eingespeist werden kann und wenn einmal eine Flaute herrscht, wird gar keine Energie produziert. Der Bau von Pumpspeicherkraftwerken und Druckluftspeicherkraftwerken ist deshalb dringend nötig. Hier wird der Strom gespeichert, nachdem er in Windgas umgewandelt wurde.

Ein weiteres Problem stellt der Netzausbau in Deutschland dar. Wenn die Energiewende erfolgreich durchgeführt werden kann, so geht man davon aus, dass innerhalb der nächsten zwanzig Jahre der größte Teil der deutschen Stromversorgung mit Hilfe von erneuerbaren Energien passiert. Neben der Solarenergie spielt hierbei die Windkraft mit die größte Rolle. Tatsache ist jedoch, dass es die meisten Windparks im Norden des Landes zu finden gibt und deshalb ein gut ausgebautes Stromnetz von Nöten ist, um die Unmengen an Energien auch in den Süden Deutschlands transportieren zu können, wo die meisten besonders energieintensiven Industrien und Unternehmen angesiedelt sind. Hier steht der Bundesrepublik noch ein Haufen Arbeit bevor, denn die Hochspannungsübertragungsnetze müssen verstärkt werden und benachbarte Regelzonen verbunden werden. Die Windkraftanlagen müssen zudem auf einen höheren Kapazitätsfaktor ausgelegt werden. Dies soll mit Hilfe der Erhöhung der Rotorflächen passieren, wobei jedoch eine gleichbleibende Nennleistung gewährleistet werden muss. Die installierte Nennleistung muss erhöht werden und eine zeitweilige Abschaltung bei Leistungsüberschuss möglich sein.

Die neusten Entwicklungen

Besonders Offshore Windparks sind in den vergangenen Jahren zu einem neuen Trend geworden. Vor den Küsten Deutschlands, besonders in der Nordsee, werden einige davon gebaut und sollen zu einem großen Teil der Stromversorgung beitragen, wenn der Atomausstieg komplett über die Bühne gegangen ist. Die Idee zu den Windparks kam nicht nur daher, dass auf dem Land langsam der Platz ausgeht, sondern beruht auch darauf, dass auf dem Meer sehr viel höhere Windstärken herrschen als an Land. Die Länder Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, die für die jeweiligen Projekte vor den Küsten zuständig sind, haben diese Gelegenheit beim Schopf gepackt und sollen nun dafür sorgen, dass die zukünftigen Windparks im Zuge der Energiewende bis zu 10 000 Megawatt an Leistung bis zum Jahr 2020 erbringen, bis 2020 sollen es dann sogar 25 000 Megawatt sein.

Die Probleme, die der Bau der Offshore Windparks mit sich bringt, haben Deutschland jedoch sehr schnell eingeholt. Die meisten Sorgen macht dabei das große Risiko, das der Bau auf hoher See nun einmal mit sich bringt. Es waren in den letzten Jahren bereits herbe Rückschläge zu verzeichnen, da auch die Anbindung der Windparks an das Stromnetz auf dem Festland große Probleme bereitet. Die Stromnetzbetreiber, die hierfür verantwortlich sind, hatten zwischenzeitlich verkündet, dass eine Errichtung von Anschlüssen in der bisherigen Form nicht länger möglich sei. Dies warf den Ausbau zunächst einmal zurück. Doch die großen Verzögerungen, von denen kaum ein Offshore Projekt ausgenommen ist, zehren am Kapital und an den Ressourcen der Unternehmen. Es gibt zwar jede Menge Investoren, denn viele wittern im Geschäft mit den Hochseewindanlagen das große Geld, doch die Finanzierung stellt sich dennoch schwieriger dar, als es zunächst erwartet worden war. Die Netzbetreiber fordern unterdessen einen geordneten Netzausbau- sowie einen Entwicklungsplan. Viele stören sich daran, dass in Deutschland beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu wenig Einheit zu herrschen scheint. Von den Grünen kam daraufhin der Vorschlag, die Anbindung neuer Windparks auf hoher See solle von nun an ausgeschrieben werden, damit sich auch andere Netzbetreiber sich darum bewerben könnten.

Positives Fazit für die Windkraft

An sich kann jedoch die deutsche Energiewende mit dem Potential der Windkraft durchaus zufrieden sein. Es mögen zwar immer wieder Probleme des Weges kommen, doch im Grunde gehört die Branche der Windenergie zu einer der zuverlässigsten in der deutschen Energielandschaft. Im Gegensatz zu den schwächelnden Bereichen der Photovoltaik kann sich die Windkraft damit rühmen, bis auf kleine Schwierigkeiten bereits seit mehreren Jahrzehnten bei der Energieversorgung in Deutschland mit dabei zu sein. Auch in Zukunft wird sich die Branche diese Vorreiterstellung nicht nehmen lassen. Teilgebiete wie die Offshore Windparks stecken zwar noch in den Kinderschuhen, werden jedoch ihren wichtigen Anteil zur Energiewende einbringen und in einigen Jahrzehnten nicht mehr wegzudenken sein, wenn es um die deutsche Energieversorgung geht.