Weit hinter den Zielen: Netzausbau ist zu langsam

Daniel Reissmann 4. Januar 2016 0


Es wurde viel über das neue Übertragungsnetz diskutiert. Insbesondere die Nord-Süd Trasse, die den Windstrom von der Küste in die Berge transportieren soll, wollte kein Bundesland so wirklich durch das eigene Gebiet verlaufen sehen. Ende 2015 wurde daher beinahe der gesamte Netzentwicklungsplan der Bundesnetzagentur über den Haufen geworfen. Erdkabel heißt nun das neue Zauberwort und das passt nicht mehr zu den einstigen Planungen. Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, merkt man den Frust an. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur äußerte er sich enttäuscht vom bisherigen Netzausbau.

© Thorsten Schier - Fotolia.com

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Weit hinter den Zielen

„Von den 2009 geplanten 1876 Kilometern neuer Leitungen haben wir Ende 2015 gerade 558 geschafft – das ist enttäuschend”, so Homanns bisheriges Fazit. Tatsächlich verschlingt der Verzug beim Netzausbau jährlich Millionenbeträge. Durch das Aus- und Abschalten von Kraftwerken zur Sicherung der Netzstabilität sind im ersten Halbjahr 2015 rund 250 Millionen Euro an Kosten angefallen. Zudem wird kräftig für Reservekapazitäten gezahlt. Einerseits ist das notwendig, denn ohne derartige Mechanismen könnte die Versorgungssicherheit nicht gewährleistet werden, andererseits kann ein leistungsfähiges Netz viele dieser Maßnahmen überflüssig machen.

Steigende Netzentgelte

Homann blickt allerdings optimistisch in das neue Jahr. Da einige Netzausbauprojekte nun die Planungsphase beendet haben, rechnet der Präsident der Netzagentur mit guten Fortschritten beim Bau dieser. Bis 2024 soll die Nord-Süd Trasse „Suedlink“ beendet sein. Die Neuplanung und der bisherige Zeitverzug haben zu hohen Kosten geführt, weshalb auch 2016 die Netzentgelte steigen werden. Für einen Durchschnittshaushalt bedeutet dies im Bundesdurchschnitt in etwa einem Anstieg um sechs Prozent. Tendenziell sind allerdings gerade die Nord- und Ostdeutschen Bundesländer stärker von den Netzentgelten betroffen, weshalb der Anstieg dort noch höher ausfallen kann.


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