Wasserstoff tanken – Zukunft der alternativen Mobilität?

Daniel Reissmann 27. Dezember 2014 0


Direkt Strom tanken oder ein anderes Medium verwenden? In der Automobil- und Kraftstoffindustrie existieren darüber verschiedene Meinungen. Momentan deutet die Entwicklung sehr darauf hin, dass sich die Konzerne vor allem der Elektromobilität auf Basis der direkten Versorgung mit Strom widmen. Auch die Programme des Bundes und der Ländern fördern insbesondere die elektrische Ladeinfrastruktur und die entsprechenden Fahrzeuge. Dabei existieren durchaus vielversprechende alternative Ansätze für die neue Mobilität. Eine Option, die dem jetzigen Tankvorgang sehr ähnlich ist, ist das tanken mit Wasserstoff. Salopp gesagt, wird an den Tankstellen an Stelle von fossilen Kraftstoff, Wasserstoff angeboten. Bereits heute existieren einige wenige Wasserstofftankstellen. Es stellt sich die Frage, weshalb diese Entwicklung in der Debatte um die alternative Mobilität so wenig fokussiert wird?

© Petair - Fotolia.com

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Mit erneuerbaren Energien Wasserstoff erzeugen

Die Idee, welche hinter der Wasserstofftankstelle steckt, ist so einfach wie innovativ. Heute besteht die gebräuchlichste Variante darin, dass zentral flüssiger Wasserstoff erzeugt wird. Dies erfolgt insbesondere durch erneuerbare Energiequellen, wodurch die entstehende Kohlenstoffdioxidbelastung sehr gering ist.  Per sogenannten supraisolierten Tankwagen wird der flüssige Wasserstoff an die entsprechenden Tankstellen transportiert. In Deutschland existieren heute gut vierzig Wasserstofftankstellen, zudem sind weitere in Planung. Nachteile der Wasserstoffbetankung ist, dass zur Verflüssigung des Wasserstoffs etwa 20 Prozent der verfügbaren Energie notwendig sind. Zudem unterliegt Wasserstoff Verflüchtigungsverlusten, falls kein regelmäßiger Verbrauch stattfindet. Ist ein Wasserstoffauto zu lang unbenutzt, kann es vorkommen, dass sich ein Großteil des im Tank befindlichen Wasserstoffs verflüchtigt. Beim BMW Hydrogen7 verflüchtigt sich nach neun Tagen beispielsweise der halbe Tank. Die wenigsten Verluste entstehen, wenn gasförmiger Wasserstoff über Pipelines zu den Tankstellen geleitet und vor Ort verdichtet wird.

Diverse Wasserstoff-Pilotprojekte

Weltweit existieren diverse Initiativen, die sich mit Wasserstofftankstellen und der entsprechenden Infrastruktur beschäftigen. In Deutschland engagieren sich beispielsweise TOTAL und Shell im Rahmen der Clean Energy Partnership (CEP), in den USA existiert mit der „California Fuel Cell Partnership“ ein ähnliches Programm. Experten schätzen, dass für ein flächendeckendes Netz an Wasserstofftankstellen in Deutschland etwa 1.000 Stück notwendig sind. Wann und ob dieses Ziel erreicht werden kann, ist momentan weitgehend unklar. Daimler und Linde bauen in einem vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung geförderten Projekts gerade einige Wasserstofftankstellen an strategischen Punkten, zur Gewährleistung einer Nord-Süd und Ost-West Abdeckung. Bis 2015 sollen im Rahmen dieses Projekts rund 50 Tankstellen für Wasserstoff entstehen. Der Bund fördert derartige Projekte beispielsweise auch über das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP). Hierfür steht eine Fördersumme in Höhe von 20 Millionen Euro zur Verfügung. Bei Kosten von 1 bis 1,5 Millionen Euro für eine Wasserstofftankstell besteht aber durchaus Luft nach oben.


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