Wasserkraft


Wasserkraft

Die Technologie der Wasserkraft ist unter den Menschen schon in etwa genauso lange verbreitet wie die Windkraft. Schließlich wurden Mühlen und andere Maschinen schon in frühen Jahren von Wind oder Wasser angetrieben. Mit den Jahrhunderten und in den letzten Jahrzehnten hat sich die Technik der Energiegewinnung durch Wasser jedoch in ungeahnten Dimensionen verändert. Wasserkraftwerke sind heute weit verbreitet und weltweit werden davon zwischen zehn und zwanzig Prozent der elektrischen Energie gewonnen. Hinzu kommt, dass die Wasserkraft eine der wichtigsten erneuerbaren Energiequellen ist. Neben der Solarenergie und der Windkraft wird sie zwar oftmals nicht erwähnt, doch in ihr steckt ungeahntes Potential. Besonders in der dritten Welt soll durch den Bau von Wasserkraftwerken in den nächsten Jahrzehnten viel erreicht werden. In Europa wäre der Bau neuer Kraftwerke hingegen problematisch, aus Platzgründen.

Verschiedene Arten der Wasserkraft

Bei Wasserkraftwerken wie man sie heute kennt, gibt es zahlreiche verschiedene Typen und Klassifizierungen. Diese ergeben sich beispielsweise aus den unterschiedlichen Nutzfallhöhen, die sich in Niederdruckanlagen, Mitteldruckanlagen und Hochdruckanlagen unterteilen. Des Weiteren spielt die Energiewirtschaft oder die installierte Leistung eine Rolle, ebenso wie die Lage des Kraftwerks, zum Beispiel, ob es am Unter-, Mittel- oder Oberlauf eines Flusses liegt und auch die Betriebsweise, die sich in Inselbetrieb oder Verbundbetrieb unterscheiden kann. Die Anlagen selbst lassen sich in verschiedene Typen unterteilen. Da wären zum Beispiel Laufwasserkraftwerke, Speicher- oder Pumpspeicherkraftwerke, Wellen- oder Gezeitenkraftwerke. Die Liste ist lang und durch die verschiedenen Eigenschaften und Gegebenheiten der Kraftwerke können diese an den unterschiedlichsten Orten stehen, es gibt sie an Flüssen oder am Meer oder in den Bergen, wenn man von einem Gletscherkraftwerk spricht.

Die Energiewende

Gerade zu Zeiten der Energiewende spielt die Wasserkraft eine größere Rolle als je zuvor. Da sie mit zu den erneuerbaren Energiequellen zählt, wird ihr ebenso viel Bedeutung zugeschrieben wie beispielsweise der Windkraft oder der Solarenergie. Im vergangenen Sommer hatte die Regierung beschlossen, bis zum Jahr 2022 alle Atomkraftwerke auf deutschem Boden zu schließen und vom Netz zu nehmen. Bis dahin zählt nun jeder Tag, um die erneuerbaren Energien auszubauen und auf die Aufgabe vorzubereiten, innerhalb der nächsten Jahrzehnte einen Großteil der deutschen Energieversorgung zu übernehmen.

Es gibt jedoch auch Kritiker, die ein Wasserkraftwerk für rein gar nicht ökologisch halten und diese Art der Energiegewinnung nicht mit unter der Energiewende einstufen wollen. Für den Bau eines solchen Kraftwerks sind nämlich stets große Eingriffe in die Natur möglich. Demnach stimmt es wohl, dass die Energiegewinnung selbst recht umweltfreundlich abläuft, doch bis es zu diesem Punkt kommt, findet ein massiver Eingriff in das Ökosystem statt. Eines der bedeutendsten Naturdenkmale am Rhein beispielsweise, der Kleine Laufen, wurde vor über hundert Jahren bereits für das erste stromquerende Kraftwerk am Rhein gesprengt, damit das Kraftwerk im Jahr 1914 in Betrieb gehen konnte. Dieser Eingriff war in seiner Dimension noch relativ klein, doch man muss nur an größere Projekte denken, wie der Bau des Drei-Schluchten-Damms in China, als ganze Städte überschwemmt wurden.

Kleine Wasserkraftwerke hingegen gelten als ökologisch verträglich, wenn sie nach neusten Standards und fachgerecht gebaut werden. Die Gewässer um sie herum dürfen beim Bau nicht gefährdet werden und deshalb werden bei vielen Kraftwerken ein Fischaufstieg und ähnliche Zusatzmaßnahmen aufgewendet.

Eines der größten Projekte

Mit am bekanntesten ist wohl der Bau der Talsperre am Jangtsekiang in China. Der Plan zum so genannten Drei-Schluchten-Staudamm wurde bereits Anfang des letzten Jahrhunderts entworfen, doch dauerte es bis in die 90er Jahre, bis das Projekt letztendlich in die Tat umgesetzt werden konnte. In erster Linie sollte der Damm als Hochwasserschutz dienen, denn jedes Jahr waren bei Hochwasserkatastrophen am Jangtse zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Doch einer der Hauptgründe fand sich natürlich auch in der Energiegewinnung. Der längste Strom Chinas beherbergt also inzwischen das größte Wasserkraftwerk der Welt mit einer installierten Generator-Leistung von 18,2 Gigawatt. Der Stausee, der durch die Staumauer entstanden ist, erstreckt sich über insgesamt 600 Kilometer bis nach Chongqing.

Das Projekt galt von Anfang an als äußerst umstritten. Das erstaunt nicht, wenn man bedenkt, welche großen Einschnitte in die Natur vorgenommen werden mussten, damit der Bau in die Tat umgesetzt werden konnte. Kritiker nahmen dabei auch nicht das Argument für voll, die Talsperre solle vor allem Hochwasserschutz bieten. Man hatte als Grund für die zahlreichen Überschwemmungskatastrophen am Jangtse meist starke Regenfälle angegeben, die vom Menschen geschaffenen Veränderungen wurden hierbei jedoch unterschlagen. Unter anderem waren auch die Abholzung der Wälder am Jangtse und die Trockenlegung zahlreicher Seen im Umkreis zur Gewinnung von Ackerland ein starker Kritikpunkt. Doch aller Widerstand brachte nichts und der Bau des Staudamms wurde weiter geführt.

Zur Energiegewinnung ist das Projekt für China allerdings die reinste Goldgrube. Das Land bezieht die meiste Energie eigentlich aus Kohlekraftwerken. China ist zwar nicht eines der Länder, die dem Kyoto Protokoll unterliegen, aber dennoch möchte man sich den Standards anderer Länder anpassen, wenn es um die Energiegewinnung und den Klimaschutz geht. Durch den Staudamm können zahlreiche Provinzen des Landes relativ umweltfreundlich mit Strom versorgt werden.

Vor- und Nachteile

Wasserkraftwerke auf der ganzen Welt haben somit ihre guten und ihre schlechten Seiten. Befürworter loben stets die Tatsache, Wasser gehöre schließlich zu den regenerativen Rohstoffen und sei somit im Überfluss vorhanden. Dies würde auch die Unabhängigkeit von konventionellen Energieträgern fördern. Tatsache ist auch, dass diese Art der Kraftwerke absolut CO2 neutral sind. Der Klimaschutz ist dadurch also zu hundert Prozent gewährleistet. Je nach Betriebszeit sind die Teile der Anlage recycelbar und Speicherseen, die durch den Bau entstehen, können gleichzeitig als Trinkwasserreservate genutzt werden.

Die Anzahl der Nachteile ist jedoch mindestens genauso groß wie die der Vorteile. Wasserkraftwerke stellen eine ökologische Barriere dar, die es Fischen und Kleinstlebewesen verbietet, ihre gewohnten Wanderungen durchzuführen, wenn sie nicht eh schon aus ihrem natürlichen Lebensraum vertrieben worden sind. Die verringerte Fließgeschwindigkeit der Flüsse, die durch die Aufstauung des Gewässers verursacht wird, verringert auch die Sauerstoffkonzentration im Wasser und erhöht die Wassertemperatur. Eine negative Auswirkung auf das Klima ist aus diesen Gründen auch nicht komplett auszuschließen. Wenn Flächen in warmen Gebieten überflutet werden, kann es nämlich durch Faulungsprozesse zur Emission von Treibhausgasen wie Methan oder Kohlenstoffdioxid kommen. Alles in allem gleichen sich die Vor- und Nachteile jedoch aus und so kann auch die Wasserkraft als brauchbare erneuerbare Energiequelle eingestuft werden.