Was, wenn der Kohleausstieg kommt?

Daniel Reissmann 11. August 2015 0


Wie lange es dauern wird und welchen Umsetzungsweg man wählt, steht noch nicht fest. Doch eines ist offenkundig sicher, der Kohleausstieg – möglicherweise unter Beibehaltung von Back-Up-Kapazitäten – wird kommen. Viele Stein- und Braunkohleregionen, wie die Lausitz, fragen sich schon jetzt, wie es dann weitergehen soll. Immerhin hängt ein großer Teil der lokalen Wirtschaft von der Kohlewirtschaft ab. Gut durchdachte Pläne sind also notwendig, um den Strukturwandel zum Erfolg zu führen.

© Martin Schlecht - Fotolia.com

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Den Strukturwandel meistern

In der Lausitz wird immer offener diskutiert was passieren könnte, wenn Vattenfall die Braunkohlemeiler vor Ort nicht verkauft sondern stilllegt. Erst vor kurzem veranstalteten Klimaaktivisten ein Aktionsprogramm namens „Lausitzcamp“, welches auch eine Podiumsveranstaltung hatte die dieses Thema aufgreifen sollte. Ein Vattenfall Vertreter nahm an der Diskussion nicht teil, laut dem Veranstalter sagte man zuvor ab, und das obwohl doch eine Verantwortung für die Beschäftigten vor Ort auch beim schwedischen Energiekonzern liegt. Es ist wohl symptomatisch das niemand so recht das Zepter in die Hand nehmen will, wenn es um die unangenehme Frage geht, was mit den ehemaligen Arbeitern in und um die Lausitzer Kohlewirtschaft passieren soll. Nicht jeder Kohlearbeiter verfügt über die entsprechenden Qualifikationen um auch in der erneuerbaren Energiewirtschaft eingesetzt zu werden. Gerade für ältere Arbeitnehmer ist auch eine Umschulung nicht mehr zielführend, da diese zu lang dauert.

Neue Arbeitslose akzeptieren

Was aber passiert gerade mit den älteren Kohlearbeitern? Soll man diese in den Vorruhestand entlassen oder deren Arbeitslosigkeit bis zur gesetzlichen Rente hinnehmen? Ein wenig ruhmreiches Ende des Beschäftigungslebens. Die Akteure, welche hier gefragt sind, sind vor allem Politik, Gewerkschaften als auch die Arbeitgeber selbst. Doch keiner will sich positionieren. “Das ist ja auch nicht allein die Aufgabe der Energiegewerkschaft […] Fragen Sie doch mal die Unternehmen!”, meint beispielsweise Michael Denecke von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie. Vattenfall schweigt indessen und wartet ab. Und die Politik? Die sorgt dafür, dass alte Kohlekraftwerke als Rückhaltekapazitäten erhalten bleiben. 2.700 Megawatt sollen in eine fossile Kraftwerksreserve überführt werden, auch einige Meiler in der Lausitz sind dafür im Gespräch. Mehr kam allerdings auch von dieser Seite bisher nicht.

Planloser Wandel

Einen durchdachten Plan liefert keiner der Beteiligten. Die großen Versorger, sei es Vattenfall oder EON, wollen ihre konventionellen Sparten einfach nur noch abstoßen. Im Stil von „Nach mir die Sintflut“ meint man bei EON beispielsweise, dass nur Vorruhestand, Übergangsgehälter und Abfindungen den übrig gebliebenen Arbeitern bleiben. Doch was bedeutet das für die Wirtschaftsstruktur der gesamten Region? Immerhin hängen an den Kraftwerken oft vielschichtige Lieferanten- und Vertriebsketten. Konkrete Pläne zum Management des anstehenden Strukturwandels sucht man momentan vergebens. Wahrscheinlich wird noch ein langwieriger Dialog zwischen den beteiligten Akteuren folgen bis man erste Maßnahmen gefunden hat. Es bleibt nur zu hoffen, dass dies für einige der Arbeitnehmer dann nicht bereits zu spät ist.


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