Was haben die Niederlande mit deutscher Windkraft zu tun?

Sandra 30. August 2012 0


Wer sich diese Frage stellt, der landet beim niederländischen Unternehmen Tennet. Der Netzbetreiber hatte im Jahr 2010 das Stromnetz vom deutschen Betreiber Eon übernommen. Und das bringt es allein bei den Hochspannungsleitungen auf mehr als 10.000 Kilometer. Das erweist sich jetzt als völlig unzureichend um die in den neuen Windparks in der Nordsee gewonnene Energie optimal verteilen zu können. Hier sind insgesamt Investitionen in Höhe von rund zwanzig Milliarden Euro notwendig. Gerade einmal ein Viertel davon hat Tennet bisher beschaffen können.

Das stellt in Frage, ob die geplanten 10.000 Megawatt Leistung bei der Windkraft in der Nordsee planmäßig bis zum Jahr 2020 erreicht werden können. Die künftigen Betreiber der Windparks laufen jetzt schon Sturm gegen die aus dem unzureichenden Netzausbau resultierenden Verzögerungen und Gewinneinbußen. Erste Unternehmen haben bereits Schadensersatzforderungen gegen Tennet angekündigt. Eine Unterstützung durch den niederländischen Staat kann Tennet derzeit nicht erwarten.

Das rief jetzt den Bundesminister für Wirtschaft, Philipp Rösler, auf den Plan. Er will zusammen mit dem niederländischen Wirtschaftsminister, Maxime Verhagen, nach einer schnellen Lösung suchen. Sollte diese nicht gelingen, deuten erste vorsichtige Gerüchte darauf hin, dass deutsche Versicherungsunternehmen Interesse an den Teilen des deutschen Stromnetzes haben, die sich aktuell im Besitz von Tennet befinden.

Offizielle Stellungnahmen gibt es dazu nicht, aber so neu, wie es auf den ersten Blick scheint, wäre diese Idee nicht, denn die Munnich Re beispielsweise hat bereits Investitionen dieser Art in der Vergangenheit getätigt. Sie ist mit Beteiligungen am Verteilungsnetz des Betreibers Amprion vertreten. Ob es dazu kommen könnte, bleibt abzuwarten, denn derzeit macht Tennet keine Anstalten, auch nur Teile seines Netzes abgeben zu wollen.