Vorbilder beim Ökostromausbau: Deutschland und China im Kopf an Kopf Rennen

Daniel Reissmann 13. September 2014 0


Bisher galt die deutsche Energiewende als weltweites Vorbild für den Ausbau der erneuerbaren Energien, insbesondere im Stromsektor. Doch ausgerechnet China, ein Land mit enorm hohen Kohlenstoffdioxid-Emissionen, könnte Deutschland die führende Rolle bald streitig machen. Vor allem die Dynamik des chinesischen Ökostrom-Ausbaus ist der heimischen Ausbaudynamik weit voraus. Momentan führt Deutschland, mit einem Anteil von 31 Prozent erneuerbarer Energien bei der Bruttostromerzeugung im ersten Halbjahr 2014, noch knapp vor China, welches im selben Zeitraum einen Anteil von etwa 30 Prozent erreichte. Wissenschaftler sehen China in Zukunft allerdings als Spitzenreiter. Dies zeigt eine aktuelle Trendanalyse.

© visdia - Fotolia.com

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China als Ausbauvorbild der kommenden Jahre

“Andere Länder sollten China folgen und die Märkte für Wasser-, Wind- und Solarkraftwerke stärken, um die Kosten der Erneuerbaren zu reduzieren”, so Hao Tan von der University of Newcastle in Callaghan und John A. Mathews von der Macquarie University in Sydney. Die zwei australischen Energieexperten haben in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature“ den Trend beim Ausbau der erneuerbaren Energien analysiert und sehen China demnach in der künftigen Top-Position. Die Bilanz des Reichs der Mitte kann sich durchaus sehen lassen. So installierte China im vergangenen Jahr erstmals mehr erneuerbare Leistung als nukleare und fossile Leistung zusammen. Zwischen 2010 und 2013 vervielfachte sich die installierte Leistung an Photovoltaikkraftwerken von 0,8 auf 18 Gigawatt. Eine enorme Ausbaudynamik, die in Deutschland momentan ausgeschlossen erscheint. In Absolutzahlen hat China Deutschland bereits lange eingeholt, was allerdings auch den enormen Unterschieden in Fläche und Einwohnerzahlen der beiden Länder geschuldet ist. China sieht sich vor allem deshalb unter Zugzwang, da die Umweltprobleme im Land ein gefährliches Ausmaß erreicht haben. “China ist sich nach dem rasanten Wirtschaftswachstum seiner Umweltprobleme bewusst – und nun machen sie eine schnelle Energiewende”, fasst Hans-Josef Fell, der bis 2013 bundespolitischer Sprecher der Grünen war und an der Initiierung des EEG maßgeblichen Anteil hat, die Situation zusammen. Bei der rechtlichen Umsetzung des Ausbaus der erneuerbaren Energien, will man sich in China verstärkt am deutschen EEG orientieren.


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