Von der Bahn ins E-Auto – Intermodularer Verkehr als Zukunftsthema

Daniel Reissmann 24. Juli 2015 0


Eine Million Elektroautos bis 2020, so lautet die Zielmarke welche sich die Bundesregierung vor einiger Zeit selbst gesetzt hat. Die Zwischenbilanz, fünf Jahre vor der Deadline, sieht eher mau aus. Aktuell sind etwa 100.000 Stromer auf Deutschlands Straßen unterwegs, so die offiziellen Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes. In 5 Jahren soll sich diese Zahl verzehnfachen, ein sehr ambitionierter Wunsch. Sogar die optimistischsten Studien, wie die der Unternehmensberatung Kienbaum aus dem Jahr 2014, gehen von maximal 750.000 E-Autos in 2020 aus. Es ist also kaum verwunderlich, dass die großen Automobilanbieter in diesem Markt nach alternativen Geschäftsfeldern suchen. Das Thema intermodulare Mobilität wird dabei immer interessanter, denn es verbindet verschiedenste klimafreundliche Verkehrsmittel und sorgt somit dafür die spezifischen Schwächen der reinen E-Mobilität zumindest vorerst durch alternative Verkehrsmittel zu umgehen.

© Petair - Fotolia.com

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Carsharing und Co.

Die großen Automobilanbieter wie Daimler, Volkswagen oder BMW stehen unter Druck. Man möchte sich gern im neuen Segment der alternativen Mobilität positionieren, immerhin ist der Markt zukunftsträchtig, auch wenn er aktuell noch seine Startschwierigkeiten hat. Dafür müssen Kunden gebunden werden und dies schafft kaum einer durch das reine Anbieten von E-Autos. So sucht man in den Konzernzentralen nach neuen Geschäftsfeldern. Überraschend und neu ist, dass die neuen Geschäftsideen teils so radikal sind, dass man als Kunde gar kein Auto mehr benötigt. Hier stellt sich nun die Frage wie das zusammen passt? Automobilhersteller, die Konzepte gegen das Automobil entwickeln? Es ist tatsächlich so, dass die großen Marken einen enormen Umbruch erleben. Die neuen Generationen sehen das Auto nicht mehr als Statussymbol und greifen auch deshalb nicht zum E-Auto – obwohl das Image passt – weil es teils als überflüssig angesehen wird. Lieber nutzt man die öffentlichen Verkehrsmittel, das Fahrrad oder Carsharing Angebote. Insbesondere in den Ballungsgebieten, mit ihrer gut ausgebauten Infrastruktur, gehen die Anschaffungszahlen für PKWs kontinuierlich zurück.

Mehr Konkurrenzdruck

Durch diese Entwicklungen ist ein völlig neuer Markt entstanden, der verschiedenste Branchen vereint. Sowohl Google, mit seiner Maps App, als auch SAP, mit Software für Mitfahrangebote und öffentlichen Nahverkehr, mischen im Markt mit. Für die Automobilhersteller erhöht sich dadurch der Konkurrenzdruck, denn durch die neuen Apps und Software gehen potentielle Kunden an Google und Co. verloren. Insbesondere im Carsharing Bereich versuchen sich die Automobilkonzerne zu positionieren um dadurch zumindest einen Teil des Kuchens abzubekommen. “Wir wollen Mobilitätsdienstleistungen als profitables Geschäftsfeld aufbauen. Das ist kein reines Marketingtool.”, sagt Bernhard Blätter, Leiter der Abteilung Mobilitätsdienstleistungen bei BMW. Er macht die Intention klar, denn der konventionelle Vertrieb von Stromern lohnt sich aktuell noch nicht ausreichend um damit hohe Renditen zu generieren. Neue Vertriebswege müssen her, auch wenn diese in der Probephase meist ein Minusgeschäfts sind.

Kooperationen mit App-Entwicklern

Auch auf dem App Markt wollen die Konzerne mitmischen, weshalb Daimler beispielsweise verstärkt nach Kooperationen mit App-Entwicklern sucht. Damit gehen die Automobilhersteller einen drastischen Weg und verlassen die eigene Kernkompetenz. Letztlich ist es wahrscheinlich die einzige Möglichkeit weiterhin das Segment der individuellen Mobilität zu dominieren. Eines ist sicher, ohne neue Ideen und Konzepte wird die Konkurrenz den Markt an sich reißen und das will keiner der Hersteller.


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