Verschläft Deutschland die Mobilitätswende?

Daniel Reissmann 23. Juni 2015 0


Ehrgeizig und ambitioniert sind die Ziele der Bundesregierung, geht es um die Energiewende. Auch im Verkehrssektor, welcher wesentlicher Bestandteil des Umbruchs ist, hat man die Ansprüche hoch gesteckt. Bis 2020 sollen eine Millionen Elektrofahrzeuge auf den deutschen Straßen und Autobahnen unterwegs sein. Heute, gut fünf Jahre bevor diese Zielmarke erreicht werden soll, liegt der Bestand an Elektrofahrzeugen in Deutschland bei knapp 19.000. Rechnet man die Hybridfahrzeuge mit hinzu kommt man immerhin auf etwa 100.000 Fahrzeuge, was allerdings immer noch weit weniger als eine Million ist. Die Autoindustrie wirft der Bundesregierung vor allem fehlende Konsequenz vor. Ausgehend von den ambitionierten Zielsetzungen, die insbesondere im Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität zu lesen sind, ist wenig passiert. Was sollte als künftig geändert werden?

© Petair - Fotolia.com

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Aktionsprogramme und Initiativen

Die ersten konkreten Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität in Deutschland wurden erst Ende 2008 auf der Nationalen Strategiekonferenz Elektromobilität diskutiert. Führt man sich vor Augen, dass die ersten Tests zur Erprobung von Stromern in Deutschland bereits in den 90er Jahren auf Rügen stattfanden, hat man schon für die ersten Versuche die E-Mobilität in Fahrt zu bringen viel Zeit vergeudet. Im Rahmen des Konjunkturpakets II Anfang 2009 wurden die ersten echten Förderprogramme erlassen. Zudem wurde 2010 das erste hochkarätige Kontroll- und Beratungsgremium, die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE), gegründet. 15 Teilprojekte fördert das Konjunkturpaket II mit insgesamt 500 Millionen Euro. Ein weiteres Förderprogramm namens „Schaufenster Elektromobilität“ steuert für vier weitere Großprojekte 180 Millionen Euro bei.

Anfänge sind getan

Die Grundlagen sind da. Sowohl Forschung als auch Industrie haben sich an den Förderprogrammen stark beteiligt, sodass Deutschland heute technologisch so weit ist die E-Mobilität in den Alltag zu integrieren. Doch der Verbraucher will nicht so recht. Die Deutschen kaufen weiterhin liebe Benziner und Dieselfahrzeuge, die E-Mobilität geht auf den Straßen ohnehin vollkommen unter. Woran liegt das? Die Wirtschaft meint es seien fehlende Anreizprogramme für den Endkunden, etwa Sonderkonditionen beim Kauf von E-Fahrzeugen. Sogar die vor kurzem erst diskutierte steuerliche Begünstigung für E-Flotten in Firmenfuhrparks wird wohl nicht kommen. Das Elektromobilitätsgesetz, welches Anfang des Jahres erlassen wurde, hilft hier wenig, da es die Verantwortung auf die Kommunen abwälzt und die, die wollen keine besonderen Maßnahmen zur Bevorzugung von E-Autos ergreifen und lassen lieber alles beim alten.

Verkehrssektor ist für die Energiewende enorm wichtig

Es ist sehr verwunderlich, dass man milliardenschwere Initiativen etabliert um die E-Mobilität ins Rollen zu bringen, aber keine Marktanreizprogramme verabschiedet. So bleibt der Verkehrssektor weiterhin weitgehend fossil denn real machen die bisherigen E-Autos so wenig aus, dass sich der Treibhausgasausstoß auf Deutschlands Straßen nicht sonderlich reduziert. Dabei liegt der Anteil des Verkehrssektors bei 28 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs. Doch bislang passiert trotzdem recht wenig. An den Tankstellen dominiert weiterhin fossiler Kraftstoff und die wenigen Ladesäulen stehen unscheinbar in der Landschaft und werden nur von Elektromobilitätsliebhabern überhaupt wahrgenommen. Zudem sind die Stromer weiterhin teurer als die konventionellen Gegenstücke und haben dennoch eine viel geringere Reichweite. Viele Verbraucher schreckt das ab, sodass man lieber am altbewährten festhält. Sollen die Ziele für 2020 erreicht, so muss politisch eingegriffen werden. Am sinnvollsten sind vorerst sicherlich einfache Marktanreizprogramme.


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