Ungenutztes Potential: Stroh kann im zukünftigen Energiemix eine starke Rolle spielen

Daniel Reissmann 25. Oktober 2013 0


Von allen biogenen Reststoffen die zur Energieerzeugung genutzt werden, wird Stroh am seltensten verwendet. Häufig aufgeführter Grund ist seine geringe Energiedichte, welche die Nutzung von Stroh unrentabel werden lässt. Eine nun veröffentlichte Studie vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ), dem Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) und des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft (TLL) in der Fachzeitschrift Applied Energy, weist darauf hin dass Stroh trotzdessen ein enormes Potential besitzt und deshalb in Zukunft stärker genutzt werden sollte. Pro Jahr können laut der Studie rund 8-13 Millionen Tonnen Stroh für die Energieerzeugung genutzt werden, dies entspricht Strom für 1,7 bis 2,8 Millionen Haushalte beziehungsweise Wärme für 2,8 bis 4,5 Millionen Haushalte.

Bioenergie

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Potentialstudie offenbart die bisherige Vernachlässigung von Stroh

Mittels einer Potentialstudie untersuchten die Forscher, wie sich der Abfall biogener Reststoffe in der Landwirtschaft in den letzten Jahren entwickelt hat. Das Ergebnis zeigt, das allein 58 Prozent der Reststoffe Getreidestroh sind. Damit besitzt dieser das größte Potential, was bisher allerdings kaum für die erneuerbare Energieerzeugung genutzt wurde. Offensichtlich kann Stroh in Zukunft einen erheblichen Beitrag zum Energiemix leisten. Prof. Dr. Daniela Thrän, Bereichs- und Departmentleiterin am UFZ und DBFZ, sagte dazu:  „Damit liegt unseres Wissens jetzt erstmals eine Studie für ein EU-Land vor, die das Potenzial von Stroh für eine echte nachhaltige Energienutzung aufzeigt – inkl. Berücksichtigung der Humusbilanz“

Die Treibhausgasbilanz hängt von der Nutzung ab

Inwieweit Stroh auch die Treibhausgasbilanz positiv beeinflusst, hängt von dessen Nutzung ab. Je nachdem ob das Stroh zur Wärmeproduktion, in Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) oder als Biokraftstoff der zweiten Generation genutzt wird, beträgt die Reduktion der Treibhausgase zum fossilen Referenzsystem 73 bis 92 Prozent. Die Studie zeigt in Zusammenhang damit, dass die Nutzung von Stroh in Kraft-Wärme-Kopplung am klimafreundlichsten wäre. Abschließend betont die Studie, dass vor allem in den strukturell dafür geeigneten Regionen durch Stroh ein wichtiger Beitrag zur Förderung der Wirtschaftsstruktur gesetzt werden kann.


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