Unabhängigkeit von Förderungen als neues Leitthema der erneuerbaren Energien

Daniel Reissmann 4. Februar 2014 0


Versorgungssicherheit gewährleisten und die Kosten für den Verbraucher senken. Das sind die zwei zentralen Grundsätze der kommenden Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Doch die Branche selbst hat einen dritten Leitsatz, die Unabhängig von staatlicher Förderung. Der Staat selbst forciert es, wie man an den aktuellen Reformplänen von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) unschwer erkennen kann. Die Fördersätze, insbesondere für die Windenergie, werden aller Wahrscheinlichkeit nach massive Einschnitte erleiden. Im Zuge dessen kam es in den letzten Wochen zu massiver Kritik von Seiten der Bundesländer. Experten hingegen scheuen geringere Fördersätze nicht, allerdings nur unter der Bedingung dass die Direktvermarktung stärker vorangetrieben wird. An Modellen dafür mangelt es nicht.

© jonasginter - Fotolia.com

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Thüringisches Regionalprojekt macht es vor

Wie die Direktvermarktung außerhalb des EEG funktionieren kann, zeigt ein aktuelles Projekt in Thüringen. Dort hat das Unternehmen Grünstromwerk GmbH zusammen mit der Energiegenossenschaft Rittersdorf eG Regionaltarife eingeführt. Einmalig in Deutschland bisher, allerdings ein Modell was in Zukunft vielfach Nachahmer finden könnte. Stromkunden haben über den Tarif die Möglichkeit den eigens in der Region produzierten Solarstrom zu beziehen und so die dezentrale Energiewende voranzubringen. Vorteil für den Produzenten des Stroms, in dem Fall die Energiegenossenschaft, ist, dass der Regionaltarif über den EEG-Einspeisetarifen liegt. So profitieren die Verbraucher, indem die EEG-Umlage umgangen wird, sowie die Produzenten durch die höhere Vergütung im Zuge des Regionaltarifs. Dieses Direktvermarktungsmodell zeigt im Kleinen, dass es durchaus möglich ist erneuerbare Energien schön jetzt in wirtschaftlicher Art und Weise in das Stromsystem und den Markt zu integrieren.

Gabriels Reform ignoriert grundlegende Mechanismen

Für die Neugestaltung des EEG ist das Erkennen dieser dezentralen Marktgegebenheiten essentiell. So betont Tim Meyer, geschäftsführender Gesellschafter der Grünstromwerk GmbH: „Der Weg zum Ziel macht den Unterschied. Sigmar Gabriel übersieht bereits existierende Lösungen für eine Neugestaltung des EEG. Insbesondere der dezentrale Energiewendemarkt in Kommunen und Städten, der mit mehr als 10 Mrd. Euro einen Großteil der Energiewende-Wertschöpfung generiert, wird im EEG 2.0 kaum berücksichtigt und durch einige Regelungen sogar massiv geschädigt. Mit Regionaltarifen und Vor-Ort-Vermarktung zeigt Grünstromwerk bereits heute, wie die dezentrale Energiewende auf den Weg zur Unabhängigkeit vom EEG gebracht werden kann. Die Vorteile einer dezentralen Energieversorgung liegen auf der Hand: Neue Anlagen werden dort geplant und initiiert, wo sie auch gebraucht werden. Ein bunter Strauß von Technologien und dezentralen Anlagen gewährleistet Versorgungssicherheit und spart Kosten beim Netzausbau. Die Wertschöpfung aus der Energieerzeugung bleibt in den Regionen. Kommune, Gemeinden und mittelständische Unternehmen profitieren davon. Die Energiewende mit ihren Hunderttausenden Akteuren ist bereits heute breit aufgestellt“.


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