Umdenken in Russlands Energiepolitik?

Daniel Reissmann 4. November 2015 0


Glaubt man Hans-Josef Fell, dem Präsident der Energy Watch Group, so findet gerade ein Umdenken in der russischen Energiewirtschaft statt. Fells Vermutung fußt auf der REENCON-2015, einer Energie-Konferenz die vom 27. – 28. Oktober in Moskau stattfand. Dort hätten sich Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und sogar der russischen Regierung zu einer Förderung der erneuerbaren Energiewirtschaft bekannt. Doch wie glaubwürdig sind derartige Bekenntnisse in einem Staat, der über derart enorme Vorkommnisse an Erdöl und Erdgas verfügt?

© visdia - Fotolia.com

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Energiewirtschaft von enormer Bedeutung für russischen Wohlstand

Die Energiewirtschaft und die anderen Rohstoffsektoren steuern etwa ein Fünftel zu Russlands Bruttowertschöpfung bei, so Schätzungen der Weltbank. Insbesondere in Sachen Energieexport generiert Russland enorme Einnahmen. Als weltgrößter Erdgasexporteur und zweitgrößter Erdölexporteur weltweit ist das auch wenig überraschend. Ölpreisschwankungen sind daher für die russische Wirtschaft seit jeher eine große Gefahr, weswegen die politischen Steuerungselemente versuchen den Ölpreis möglichst hoch zu halten, wobei dies, gerade international, nicht selten missglückt. Durch die Transformation der Energiesysteme vieler energieintensiver Industriestaaten ist die Nachfrage nach fossilen Kraftstoffen in den letzten Jahren gesunken, was unter anderem auch den Ölpreis in den Keller getrieben hat. Dies hat in Russland eine große Wirtschaftskrise verursacht, die womöglich mit dem Ausbau erneuerbarer Erzeugungskapazitäten eingedämmt werden soll.

Neue Kooperation zwischen Deutschland und Russland

Auch Hans-Josef Fell vermutet, dass die Umbruchsstimmung in Russland durch den niedrigen Ölpreis begründet sein könnte. Letztlich ergeben sich hier auch neue Chancen der internationalen Zusammenarbeit, was in der aktuell recht angespannten Lage zwischen Russland und dem Westen von großer Bedeutung für den Wiederaufbau von Vertrauen sein kann. Deutschland beispielsweise besitzt bereits umfangreiche Erfahrungen in Sachen Energiewende. Russische Firmen könnten von diesem Know-how, zum Beispiel in Form von Technologiepartnerschaften, profitieren. Russland bietet auch für erneuerbare Energien ein hohes Potential. So ist die Wasserkraft schon heute mit einen Anteil von 15 Prozent an der Stromerzeugung beteiligt. Photovoltaik-Freiflächenanlagen wären gut geeignet die vielen freien Steppen in Russland einem ökonomisch sinnvollen Nutzen zuzuführen. Erste Firmen, die sich in diesem Feld bewegen, gibt es bereits. Letztlich kann auch Russland, als großer Exporteur fossiler Energie, von den Erneuerbaren profitieren. Schon allein um sich wirtschaftlich unabhängiger von den Schwankungen des Rohölpreises zu machen.


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