Stell dir vor wir starten eine Energiewende und niemand macht mit

admin 8. April 2013 0


Jeder von Ihnen kennt sie, jeder von Ihnen hat sie und jeder von Ihnen hält sich in der Regel nicht daran, die Rede ist von (guten) Vorsätzen. Mindestens einmal im Jahr, insbesondere zu Neujahr, nehmen wir uns neue persönliche Ziele vor und versuchen diese so schnell wie möglich und so effizient wie möglich zu erreichen. Leider handhaben wir nicht alle unsere Ziele so, vor allem wenn es sich um welche handelt die uns alle gleichermaßen betreffen.

Das Gesellschaftsprojekt „Energiewende“

Der Begriff “Energiewende” steht für den Aufbruch in ein neues Zeitalter, ein Zeitalter der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz. Sie ist die politische Reaktion auf die furchtbare Reaktorkatastrophe von Fukushima, nach der die Bundesregierung beschlossen hat, dass die Energieversorgung Deutschlands bis zum Jahr 2050 überwiegend durch erneuerbare Energien gewährleistet werden soll. Schon damals hatten Experten und Politiker gewarnt, dass es sich hierbei nicht „nur“ um einen fundamentalen Umbau unserer Energieversorgung handelt wie wir Sie bisher kannten, die Energiewende wurde als eine ethische und kulturelle Grundsatzentscheidung bezeichnet, eine einmalige Chance, der Welt ein Beispiel zu geben, wie Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit in einer führenden Industrienation vereinbart werden können.

Knapp zwei Jahre später sieht es so aus als würden wir diese Chance fahrlässig verstreichen lassen und das Schlimmste daran ist, dass wir niemanden anderen die Schuld dafür geben können als uns selbst!

Die anderen sind die Bösen

Ein gewisser John F. Kennedy, hat einst das Zitat geprägt „Frage nicht was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!“. Dieses Zitat sollte das offizielle Motto bzw. der Marketing-Slogan für die Energiewende in Deutschland werden.

Wenn wir gefragt werden, was wir uns denn eigentlich konkret von der Energiewende erwarten bzw. erhoffen, hören wir gar nicht mehr auf zu reden. Dabei werden dann in der Regel Dinge genannt wie eine grüne, umweltfreundliche und nachhaltige Energieversorgung und diese natürlich auch atomfrei. Bezahlbar und sicher muss sie selbstverständlich auch sein. Diese Punkte betrachten wir als Grundziele, als ein absolutes Muss. Darüber hinaus gibt es noch das bekannte i-Tüpfelchen, d.h. die Energieversorgung sollte sich möglichst dezentral abspielen und von kommunalen Unternehmen bzw. den Bürgern selbst durchgeführt werden. Arbeitsplätze schaffen soll sie auch, das ist immer gut.

Wenn wir geragt werden, was wir (bisher) dafür getan haben oder bereit sind zu tun herrscht meistens Stille. Dann flüchten wir uns in allgemeingültige Phrasen wie „was kann ich als kleiner Mann denn schon großartig tun?“. So einiges! Oben genannte Ziele bzw. Wünsche fallen uns nicht in den Schoß oder erfüllen sich von alleine, das haben sie und werden sie auch nie. Grüne, umweltfreundliche und nachhaltige Energieversorgung kostet Geld, viel Geld. Um die Investitionen in Erneuerbare Energien zu stemmen, wurde das Erneuerbare Energien Gesetzt, das sog. EEG mit einem entsprechenden Fördersystem in Deutschland eingeführt. Die Kosten dafür bezahlen wir alle jeden Monat über unsere Stromrechnung, denn die beanspruchten Subventionen werden auf allen Stromverbraucher/ -kunden umgelegt. Die EEG-Umlage ist Anfang des Jahres von 3,6 auf 5,3 Cent gestiegen, d.h. die Kilowattstunde verteuerte sich um 1,7 Cent. Für einen Singlehaushalt (1.800 kWh Jahresverbrauch) ergeben sich dadurch insgesamt rd. 96 Euro Mehrkosten, auf den Monat umgerechnet sind dies 8 Euro. Der gesellschaftliche Aufschrei war immens nach der Bekanntgabe dieser Erhöhung, neben der Politik gerieten vor allem jene Unternehmen in die Kritik welche aufgrund Sonderreglungen von der EEG-Umlage befreit sind, aber auch die großen Energieversorger bekamen (mal wieder) ihr Fett weg. Es war (und ist es nach wie vor) erschreckend zu sehen mit welch einer Inkompetenz manch einer dabei geglänzt hat. Denn Fakt ist, egal ob gewerblicher Windparkbetreiber oder Privathaushalt mit Solarzellen auf dem Dach: Wer Strom aus erneuerbarer Energie produziert und ins Netz einspeist, wird gefördert. Das EEG kennt keinen Unterschied zwischen Inländern oder Ausländern, kleinen oder großen Unternehmen, gewerblicher und privater Nutzung. Interessant ist auch die Tatsache, dass ausgerechnet die, die Jahr für Jahr bei Ihrer Steuererklärung alles rausquetschen was es zu quetschen gibt am lautesten jene Unternehmen kritisieren, die das Gleiche tun und aufgrund gesetzlicher Schlupflöcher in der Lage sind der EEG-Umlage zu entkommen.

Anstatt mit dem Finger auf andere zu zeigen, sollten wir uns an die eigene Nase fassen und uns die Frage stellen, welchen Preis bin ich persönlich eigentlich bereit zu zahlen für eine Energiewende? Sind 8 Euro im Monat für eine sichere, umweltfreundliche und nachhaltige Energieversorgung wirklich zu viel?

Kleinstaaterei und Nimby überall wo man hinschaut

Aber auch wenn der eigenen Geldbeutel nicht geschröpft wird, findet der moderne Wutbürger einen Weg die Energiewende zu blockieren.

Windräder, PV-Module, Biomasse-Anlagen und Netz-Trassen kosten nicht nur Geld, nein sie benötigen auch noch Platz. Manch einer behauptet auch noch sie verschandeln die Landschaft, machen Lärm und sind gesundheitsschädlich. Solange dies alles nicht in der unmittelbaren Nähe von einem selbst geschieht ist es hinnehmbar und ein Opfer das man zum Wohle der Gemeinschaft bringen muss. Aber wehe jemand plant ein Windrad in meinem „Vorgarten“, dann hört der Spaß auf. Diese „Not in my backyard“-Mentalität setzt da an, wo sie bei der Kostentragung bereits angefangen hat. Energiewende ja, zu meinem persönlichen Nachteil nein.

Doch der Ottonormalverbraucher orientiert sich nur an dem, was ihm auf der politischen Bühne vorgelebt wird. Neben der Zankerei über Zuständigkeiten zwischen einzelnen Bundesministerien, gibt es ja auch noch 16 Bundesländer in der Bundesrepublik. Der Süden Deutschlands, der bisher prächtig von Kohle- und Atomstrom leben konnte, möchte auch liebend gerne am Erneuerbaren-Boom partizipieren und spricht sich daher vehement gegen eine Kürzung der EEG-Förderung aus. Der Nordosten Deutschlands, der bereits den Bau von tausenden Windrädern bzw. die Produktion von hunderttausenden PV-Modulen in den vergangenen Jahrzehnten unterstützt hat, möchte aufgrund von Änderungen am EEG keine Arbeitsplätze verlieren. Und auch West-/Mitteldeutschland möchte nicht nur als Transitland für die hässlichen Netz-Trassen herhalten.

Stell dir vor wir starten eine Energiewende und niemand macht mit…


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