Post-Diesel: Wann kommt die E-Mobilität in Schwung?

Daniel Reissmann 21. Dezember 2015 0


Bei den meisten Automobilkonzernen ist die Elektromobilität bereits fester Bestandteil des Portfolios. So versucht BMW mit den I-Modellen schon seit einiger Zeit den E-Mobilitätsmarkt in Deutschland für sich zu gewinnen. Sogar Luxushersteller wie Porsche drängen nun auf den neuen Markt. Mit der „Mission E“ Serie will der Premiumhersteller vor allem dem amerikanischen Konkurrenten Tesla Konkurrenz machen. Alle verbindet eine Hoffnung und zwar, dass der neue Markt alsbald in Schwung kommt. Bisher sieht es allerdings eher dürftig aus. Das Ziel der Bundesregierung bis 2020 eine Million E-Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu haben ist bereits Utopie. Viele Deutsche setzen weiter auf Diesel oder Benziner. Doch gerade Dieselfahrzeuge kommen immer häufiger in Kritik. Zuletzt forderte das Umweltbundesamt eine Kehrtwende in der Verkehrspolitik, denn Dieselfahrzeuge tragen erheblich dazu bei, dass Deutschlands Städte nach wie vor zu hohe Stickoxidwerte aufweisen.

© Petair - Fotolia.com

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Hersteller fordern Kaufprämien

Was folgt also nach dem Diesel- und Benzinfahrzeugen? Die Elektromobilität in Verbindung mit dem öffentlichen Nah- und Fernverkehr ist sicherlich eine mögliche Alternative, insbesondere wenn man E-Fahrzeuge im Car-Sharing nutzt. Doch ein großes Problem ist weiterhin die Akzeptanz in der Bevölkerung. Für die Mehrheit der Deutschen ist das Automobil das wichtigste Fortbewegungsmittel. Und den altbewährten Fahrzeugen vertraut man, den Elektroautos nicht wirklich. Immer wieder hört man daher die klassischen Kritikpunkte: Die Stromer sind zu teuer und müssen zu oft und zu lang geladen werden. Das zweite Problem müssen die Hersteller lösen, wobei es bereits einige Fahrzeuge, insbesondere von Tesla, gibt die Reichweiten von bis zu 500 Kilometern erreichen. Um den ersten Kritikpunkt zu lösen fordern nun sogar die Hersteller Kaufprämien auf Elektrofahrzeuge. Jüngst forderte BMW-Chef Harald Krüger einen staatlichen Anreizmechanismus um die E-Mobilität endlich in Schwung zu bringen.

Niedrige Spritpreise als Problem

Rückenwind bekommt Krüger aus der Politik. „Wer bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf der Straße haben will, wird an Kaufanreizen nicht vorbeikommen“, meint beispielsweise SPD-Bundestagsabgeordneter Sören Bartol. Damit liegt er auf einer Wellenlänge mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), deren Ministerium eine Prämie von 5000 Euro für E-Fahrzeuge vorgeschlagen hat. Der Vorstoß scheiterte allerdings bisher vor allem an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der die Kosten für einen derartigen Anreizmechanismus als zu hoch einschätzt. Weiterhin bleibt unklar, ob die Kaufanreize überhaupt den gewollten Effekt hätten. Die Spritpreise sind aktuell sehr niedrig und Diesel profitiert zudem von Steuervergünstigen gegenüber Benzin. Für Fahrer von Dieselfahrzeugen würde sich daher mitunter kein Grund ergeben, auf ein E-Fahrzeug umzusteigen.

Kommunen, Länder und Bund in der Pflicht

Als gutes Beispiel könnten daher Behörden und öffentliche Einrichtungen vorangehen. Bartol fordert dazu verbindliche Quoten für die Beschaffung von E-Fahrzeugen durch Bund, Länder und Kommunen, sodass sich schnellstmöglich ein Markt für Gebrauchtwagen bildet. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hat in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor kurzem zudem darauf hingewiesen, dass die Entwicklung immer schadstoffärmerer Dieselmotoren zunehmend teurer werde. Um die Emissionsvorgaben noch einzuhalten, könnten gerade neue Diesel künftig im Preis steigen. Ob die Kaufprämie kommt ist noch nicht völlig geklärt. Der Druck von verschiedenen Seiten steigt allerdings, sodass die Bundesregierung alsbald handeln muss.


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