Positive Beschäftigungseffekte durch erneuerbare Energien

Daniel Reissmann 20. April 2015 0


Die Energiewirtschaft befindet sich momentan in einem heftigen Umbruch. Konventionelle Anlagen werden zunehmend unrentabel für die Kraftwerksbetreiber, sodass bereits einige Standorte dicht machen mussten. Sogar Energieriesen wie E.on, Vattenfall oder RWE können sich diesem Umbruch nicht verwehren. Nur durch eine neue Unternehmensstrategie können die Versorger ihre Position am Markt auch künftig beibehalten. Standortsschließungen bringen meist auch den unangenehmen Effekt mit sich, dass eine Vielzahl an Arbeitsplätzen verloren geht. Bisher war nicht wirklich klar, wie groß der Negativeffekt durch die Jobverluste ist beziehungsweise wie stark die erneuerbaren Energien die wegfallenden Jobs kompensieren können. Eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens DIW Econ des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt nun, dass unter dem Strich sogar ein auffallend positiver Saldo an Jobs resultiert.

© il-fede - Fotolia.com

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370.000 Arbeitsplätze allein in der EE-Branche

Die Studie von DIW Econ, die im Auftrag des Bundesverbands Windenergie (BWE) angefertigt wurde, kommt zu dem Ergebnis das mehr Arbeitsplätze in der Branche der erneuerbaren Energien geschaffen wurden als durch die klassische Energiewirtschaft wegfallen. In Summe gibt es einen Überschuss von etwa 18.000 Jobs. Die Beschäftigtenzahlen in der EE-Branche haben in den letzten Jahren eine sehr positive Entwicklung gezeigt, wie in der Studie deutlich wird. Von 2006 bis 2012 wuchs die Anzahl der Beschäftigten von 231.000 auf rund 400.000 an. Nur von 2012 zu 2013 gab es einen deutlichen Abwärtstrend, der vor allem durch die Krise in der Photovoltaikwirtschaft erklärbar ist. In diesem Zeitraum sank die Beschäftigtenzahl von 400.000 auf 371.000. Die Studie von DIW Econ zeigt allerdings, dass dieser Abwärtstrend nicht alle erneuerbaren Energien gleichermaßen traf. Die Arbeitsplätze in der Windenergiebranche stiegen sogar von 122.000 auf 137.800 an.

Beschäftigungsentwicklung in der EE-Branche kann mit klassischen Branchen mithalten

Es zeigt sich zunehmend deutlich, dass die Branche der erneuerbaren Energien für Deutschlands Wirtschaft immer relevanter wird. So entsprechen die 18.000 Jobs die zusätzlich durch die erneuerbaren Energien entstanden sind, in etwa denen der deutschen Chemieindustrie oder denen im Maschinebau im Zeitraum von 2008 bis 2013. Die konventionelle Energiewirtschaft, insbesondere im Bereich Braun- und Steinkohleförderung, verliert dagegen an Bedeutung. Seit 1991 hat die konventionelle Energieerzeugung rund 300.000 Jobs abbauen müssen. Glücklicherweise wurden diese Verluste in den letzten Jahren durch die erfreulich dynamische Entwicklung der EE-Branche überkompensiert. „Die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen in Bezug auf Wirtschaftsleistung werden immer wieder kontrovers diskutiert. Die jetzt vorliegende Expertise rechne die positiven Effekte der Energiewende wie Investitionen oder den Bau neuer Erzeugungsanlagen gegen die negativen Effekte, also beispielsweise den Arbeitsplatzverlust bei konventionellen Energieträgern oder die Auswirkungen eines erhöhten Strompreises.“, so Anselm Mattes von DIW Econ bei der Vorstellung der Studie.

Energiewende ist erfolgreicher Jobmotor

Für den Auftraggeber der Studie, den BWE, sind die Ergebnisse sehr erfreulich. Insbesondere dahingehend, dass sich zeigt, dass die Windenergiebranche mit einem Anteil von 37 Prozent die meisten der knapp 371.000 Jobs stellt. Dahinter folgt der Biomassebereich mit 127.500 Beschäftigten. Nur die Solarbranche musste herbe Einbußen verkraften. Trotzdem zieht BWE-Präsident Hermann Albers ein positives Fazit. „Die Energiewende ist ein Projekt für den deutschen Arbeitsmarkt.“, so Albers Einschätzung. „Dies zeigt, dass die Transformation unseres Energiesystems erfolgreich ist. Die Studie belegt: Die Erneuerbaren gefährden keine Arbeitsplätze, sondern sorgen für einen Beschäftigungszuwachs in der Energiewirtschaft und damit für einen Gewinn an Wohlstand“, so der BWE-Präsident weiter. Die Energiewende befindet sich aktuell in einer Konsolidierungsphase, weshalb in den kommenden Jahren keine derartig hohen Beschäftigungseffekte zu erwarten sind. Nichtdestotrotz wird der Sektor weiter anwachsen, dabei sind sich viele Experten einig.


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