Neue Märkte für die Energiewirtschaft – Warum nicht nach Afrika?

Daniel Reissmann 7. Mai 2015 0


In letzter Zeit macht der afrikanische Kontinent eher unrühmlich von sich Schlagzeilen. In Europa, vor allem Westeuropa, steht Afrika momentan insbesondere für Unruhen, Kriege und Flüchtlingsströme. Doch der Kontinent hat viel zu bieten, insbesondere das Potential zum Ausbau der Energieinfrastruktur ist enorm. Experten vermuten, dass gezielte Investitionen aus den reichen Industriestaaten in die energetische Infrastruktur zu Stabilisierung der afrikanischen Länder beitragen können. „Keine Arbeitsplätze ohne Industrialisierung, keine Industrialisierung ohne Strom.“, fasste es beispielsweise Stefan Liebing, Vorsitzender des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft, am Montag zum Auftakt des deutsch-afrikanischen Energieforums in Hamburg prägnant zusammen.

© visdia - Fotolia.com

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Investoren trauen sich nicht nach Afrika

Es verwundert doch sehr, dass Afrika nicht bereits das Schlaraffenland für Investitionen in die Energieinfrastruktur ist. Mit einer extrem niedrigen Elektrifizierungsquote von 30 bis 40 Prozent gibt es auf dem Kontinent einiges zu tun. Schätzungen gehen von einem derzeitigen Investitionsbedarf in Höhe von etwa 800 Milliarden Euro aus. Die derzeitige Investitionshöhe ist davon allerdings noch weit entfernt und liegt bei etwa zehn Milliarden Euro. Der Grund dafür liegt vor allem darin, dass potentielle Investoren die afrikanischen Märkte als zu unsicher einschätzen. Dies hat auch durchaus seine Berechtigung. Denn sowohl gesellschaftlich als auch politisch sind viele afrikanische Länder sehr instabil. Liebing meint, dass staatliche Versicherungen hier helfen könnten. Inwieweit dies realistisch ist, lässt sich nur schwer sagen. Denn insbesondere afrikanische Staaten die von Diktatoren regiert werden, gelten als wenig vertrauenswürdig.

Verschiedene Investitionsoptionen möglich

Für potentielle Investoren bietet sich in Afrika ein breites Investitionsfeld. Denn sowohl die konventionellen Energieträger als auch die Erneuerbaren sind bisher nur gering ausgebaut. Für Investoren, die sich auf erneuerbare Energien spezialisiert haben, bietet sich insbesondere die Solarenergie an. Durch die hohe Anzahl an Sonnenstunden lohnt sich diese Investition sogar ohne staatliche Förderung. Internationale Programme zur Förderung des Ausbaus der Energieinfrastruktur in Afrika können hier teils auch für Subventionen sorgen. Grundsätzlich ist der Ausbau von Afrikas Energieinfrastruktur auch ein entwicklungspolitisch wichtiges Thema. Die gesellschaftliche Relevanz von dauerhaft und überall verfügbarem Strom ist sehr hoch. Hier ergeben sich Möglichkeiten die afrikanischen Länder zumindest teilweise zu stabilisieren, so wie anfangs bereits erwähnt. Für europäische, speziell deutsche, Investoren ist Afrika ein ungesättigter Markt mit einem enorm hohen Potential. Daher bieten sich Investitionen sowohl aus humanitärer als auch wirtschaftlicher Sicht an. Erste kleinere Projekte können ein erster Schritt sein, die vorhandenen Strukturen zu testen. Ob Großprojekte sinnvoll sind, ist fraglich. Bereits DESERTEC konnte nicht bestehen, obwohl ein Großteil der Konsortialpartner leistungsfähige westliche Industrieunternehmen waren.


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