Netzgebühren steigen durch Ausbau der Übertragungsnetze

Daniel Reissmann 25. Oktober 2015 0


Für Kenner der Branche ist es wenig überraschend. Die Netzentgelte werden ab dem kommenden Jahr flächendeckend angehoben. Grund ist der Ausbau der Übertragungsnetze im Zuge der Energiewende.  Insbesondere die lange Diskussion um den Verlauf der Nord-Südtrassen und die daraus resultierenden Verzögerungen haben für erhebliche Mehrkosten gesorgt. Nicht zuletzt werden auch die Kosten, die aus der umfassenden Anpassung von Plänen und Programmen von Oberleitungskabeln zu Untergrundkabeln resultieren, auf die Endverbraucher umgelegt.

© Thorsten Schier - Fotolia.com

© Thorsten Schier – Fotolia.com

Anstieg um rund vier Prozent erwartet

Das Verbraucherportal Verivox rechnet mit einem Anstieg der Netzentgelte in Höhe von vier Prozent im Durchschnitt. Für Haushalte, die an das Netz des Übertragungsnetzbetreibers Amprion angeschlossen sind, werden sich die Mehrkosten für Netzentgelte wohl sogar auf satte 8,3 Prozent belaufen.  Für einen normalen Haushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von rund 4000 Kilowattstunden wird dieser Anstieg zu durchschnittlichen Mehrkosten von 10 Euro im Jahr führen. Laut Verivox werden insbesondere die Baden-Württemberger mit durchschnittlich 20 Euro an zusätzlichen Netzentgelt draufzahlen müssen. Auch die Bundesnetzagentur hat die steigenden Netzentgelte ab 2016 bereits bestätigt, allerdings noch keine Details zur Höhe genannt.

Erhöhung der Netzentgelte wenig überraschend

Das sich die Netzentgelte erhöhen ist für Beobachter der Energiebranche wenig überraschend. Der Ausbau des Netzes durch eine immer dezentralere Energieinfrastruktur, der Zubau an Übertragungsleitungen von Nord nach Süd und sogenannte „Redispatch“ Maßnahmen zur Abfederung der Fluktuationen von Wind- und Solarenergie kosten Milliarden. Das die Erhöhung allerdings so hoch ist, liegt auch an dem verschleppten Netzausbau der vergangenen Jahre. Bisher wurde sich hauptsächlich auf den Ausbau erneuerbarer Erzeugungskapazitäten fokussiert, ohne dabei darauf zu achten, ob die Netze überhaupt in der Lage damit umzugehen. Als man feststellte, dass die bestehenden Netze nicht mit den großen Mengen an fluktuierenden Strom, der immer wieder für Spannungsschwankungen sorgt, umgehen können und die Versorgungssicherheit darunter erheblich in Gefahr gerät, wurde der Netzausbau zwangsläufig Thema.

Übertragungsnetzbetreiber haben schon vorher gewarnt

Als der Netzentwicklungsplan dann eine Nord-Südtrasse zur Verteilung des Windstroms aus Nord- uns Ostsee über die Bundesrepublik und insbesondere in die südlichen Bundesländer vorschlug, kam es zu erneuten Verzögerungen. Insbesondere Bayern stellte sich gegen die neuen Oberleitungen, die auch durch das Terrain des Freistaats führen sollten, und forderte, dass Erdkabel verlegt werden. In langwierigen Debatten wurde sich kürzlich darauf verständigt mehr Erdkabel zu verlegen, was allerdings beinahe die gesamte vorhergegangene Planung nichtig macht. Die Übertragungsnetzbetreiber hatten schon im Vorfeld gewarnt, dass eine weitere Verzögerung zu erheblichen Mehrkosten führen wird. Nun müssen die Verbraucher für die Verzögerungen zahlen. Im Zuge der Gewährleistung der Versorgungssicherheit ein notwendiges Übel.


Comments are closed.