Netzausbau im Verzug – Netzbetreiber Tennet schlägt Alarm

Daniel Reissmann 21. September 2015 0


Jahrelang wurde der Ausbau der regenerativen Energieträger – ganz im Sinne der Energiewende – vorangetrieben und durch Gesetze, wie dem EEG subventioniert. Nun hat Deutschland bereits einen erheblichen Anteil an Grünstrom im Netz und es sieht keineswegs danach aus, dass der Anteil erneuerbarer Energien an der Bruttostromerzeugung stagniert oder zurückgehen wird. Eigentlich ein Grund zur Freude, könnte man annehmen, denn immerhin ist man den anvisierten Ausbauzielen für 2020 so nah wie nie. Doch insbesondere ein Problem dämpft die gute Laune und sorgt nun dafür, dass einige Branchenvertreter Alarm schlagen. Deutschland verfügt über kein geeignetes Netz den erneuerbaren Strom gleichmäßig innerhalb der Bundesrepublik zu verteilen. Nun ist der Ausbau weiter in Verzug geraten, da ein Großteil der Leitungen nun unterirdisch verlegt werden sollen. Das wirft die Planungen um gut drei Jahre zurück.

© Thorsten Schier - Fotolia.com

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Netzstabilität gefährdet

Insbesondere der Übertragungsnetzbetreiber Tennet warnt vor Problemen bei der Netzstabilität und damit der Versorgungssicherheit, sollte der Netzausbau nicht schnellstmöglich starten. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte Tennet Deutschland-Chef Lex Hartmann: „Was wir hier errichten sollen, sind die Hauptschlagadern der Energiewende. Es geht um weltweite Pilotprojekte. […] Aber wenn der Netzausbau nicht schneller wird, dann wird das System insgesamt ganz bestimmt nicht sicherer.” Damit meint Hartmann insbesondere die Spannung im Netz, die durch zu viel Strom instabil wird womit sich die Gefahr eines Blackouts erhöht. Nun hat sich die Situation weiter zugespitzt. Bürgerproteste haben dafür gesorgt, dass die Politik den Beschluss gefasst hat, dass ein Großteil der wichtigen Nord-Süd Stromtrasse, die Windkraft vom Norden in den Süden transportieren soll, unterirdisch verlegt werden soll.

Drei Jahre Planung umsonst

Das wirft die bisherige Planung um drei Jahre zurück. Die meisten Festlegungen für die oberirdischen Leitungen – etwa der Verlauf dieser – ist nicht auf unterirdische Leitungen übertragbar weshalb weitgehend alles noch einmal neu erarbeitet werden muss. Zudem müssen die unterirdischen Leitungen, genau wie auch die oberirdischen, ein dreistufiges Genehmigungsverfahren durchlaufen. In dieses Verfahren werden auch Bürgerinitiativen eingebunden, weshalb die Netzbetreiber befürchten, dass der ganze Genehmigungsprozess viel Zeit in Anspruch nehmen wird. Eigentlich sollten die wichtigsten Netzausbauprojekte bis Ende 2016 abgeschlossen sein, doch daran glaubt mittlerweile kaum noch jemand. Fiete Wulff von der Bundesnetzagentur sagte dem MDR dazu: „Wir rechnen damit, dass bis Ende 2016 vierzig Prozent dieser vordringlichen Projekte aus dem Energieleitungsausbaugesetz fertiggestellt sein werden.“

Verzögerungen kosten Milliarden

Der langsame Netzausbau kostet den Endverbraucher einiges an Geld. Denn um das Netz nicht zu überlasten schalten die Betreiber immer wieder Kraftwerke ab, dafür erhalten sie dann Ausgleichszahlungen, die auf den Endverbraucherpreis umgelegt werden. Die Netzbetreiber machen währenddessen Druck und appellieren dabei auch an Bürger, die letztlich die Kosten tragen müssten. Ob diese Strategie funktioniert ist indessen fraglich, denn die Bürgerinitiativen werden weiterhin gegen den Netzausbau vor Ort protestieren, auch wenn die Kabel nun unterirdisch verlegt werden sollen. “Natürlich werden wir auch Bürgerinitiativen gegen Erdkabel bekommen”, meint beispielsweise Hartmann gegenüber der SZ und fügt an: “Die ersten Briefe sind schon da.”


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