Lastwagen mit Solarantrieb: Eine umweltfreundliche Alternative

admin 29. November 2016 0


Im Rahmen des Weltklimavertrags von Paris haben sich die Staaten der Weltgemeinschaft verpflichtet, ihre CO2-Emissionen massiv zu senken. Einen nicht unerheblichen Anteil an den klimaschädlichen Emissionen hat dabei der Straßenverkehr. Dort war in den vergangenen Jahren eine scheinbar paradoxe Entwicklung zu beobachten: Denn auf der einen Seite sanken die CO2-Emissionen pro gefahrenem Kilometer im Vergleich zum Jahr 1995 deutlich – bei Lastwagen um dreißig Prozent, bei PKWs immerhin um zwölf Prozent. Auf der anderen Seite sind die Gesamtemissionen aber um dreizehn Prozent gestiegen. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Heute sind viel mehr Fahrzeuge – vor allem viel mehr Lastwagen – auf den Straßen unterwegs. Als Lösung dieser Problematik sehen viele Experten den Umstieg auf Elektromotoren. Dabei gibt es allerdings ein Problem: Die Fahrt mit einem Elektromotor ist nur dann wirklich emissionsfrei, wenn der dafür benötigte Strom auch tatsächlich aus Erneuerbaren Energien stammt. Dies ist bei Strom aus der Steckdose aber nur teilweise der Fall. Eine Lösung sind daher Lastwagen, die Solarmodule auf dem Dach haben und so selbst sauberen Strom produzieren.

Die Möglichkeiten von Lastwagen mit Sonnenunterstützung

Tatsächlich gibt es bereits entsprechende Fahrzeuge. So hat das chinesische Unternehmen Hanergy ein Konzeptauto präsentiert, das mit einem ultradünnen Solarfilm überzogen ist – und so an einem sonnenreichen Tag bis zu achtzig Kilometer an Reichweite gewinnt. In Deutschland arbeitet unter anderem das Startup Sono Motors an einer ähnlichen Entwicklung. Auf dem Markt für Lastwagen wiederum befinden sich einige Modelle sogar schon im Einsatz. Grundsätzlich gibt es dabei zwei Möglichkeiten die Solarpanels in das Design des LKWs zu integrieren. Entweder in den Windabweiser oberhalb der Fahrerkabine oder direkt auf dem Dach des Lastwagens. Allerdings reicht die Kraft der Sonne noch nicht aus, um ausschließlich damit den Elektromotor anzutreiben. Durch die Solarmodule und die Energierückgewinnung beim Bremsen kann aber immerhin ein Viertel des Strombedarfs gedeckt werden.

Die Vorteile von Lastwagen mit Solarantrieb

Aktuell verbrauchen konventionelle Lastwagen rund dreißig Liter Diesel auf einhundert Kilometern. Für das Klima ist dies nicht besonders förderlich. Außerdem stellen die Treibstoffkosten eine nicht unerhebliche finanzielle Belastung dar. Durch den Einsatz eines Elektromotors und die Nutzung der Solarpanels lassen sich die Betriebskosten erheblich senken: So werden für eine Fahrt über hundert Kilometer lediglich einhundert Kilowattstunden aus dem Stromnetz benötigt. Bei einer typischen Jahresleistung von 50.000 Kilometern sinken die laufenden Kosten auf diese Weise von 23.200 Euro auf nur noch 8.300 Euro. Wie genau die CO2-Bilanz der einzelnen Fahrten aussieht, hängt dann allerdings von der Art der Stromproduktion ab. Aber selbst wenn Kohlestrom genutzt wird, ist die Klimabilanz noch immer deutlich besser als bei klassischen Diesel-LKWs. In der Schweiz setzt daher beispielsweise die Groß- und Einzelhandelsgenossenschaft Coop auf Lastwagen mit Solarantrieb. Diese sind besonders gut geeignet, wenn eine Vielzahl an Waren regional ausgeliefert werden muss – also beispielsweise vom Zentrallager an die einzelnen Filialen.

Einschränkungen bei Lastwagen mit Solarantrieb

Ähnlich wie auch bei Solarautos verringert sich durch den Elektromotor aber die Reichweite. So kommen die Solar-LKWs in der Regel lediglich auf 200 bis 300 Kilometer, bevor sie wieder an eine Steckdose angeschlossen werden müssen. Dies gilt aber natürlich auch für Elektro-Lastwagen ohne integrierte Solarmodule. Im Automobilbereich ist allerdings – aufgrund neuer Entwicklungen in der Batterietechnik – in den nächsten Jahren mit deutlichen Reichweitenerweiterungen zu rechnen. Davon dürften auch die Elektrolastwagen langfristig profitieren. Dennoch eignen sie sich eher nicht für längere Touren durch Deutschland oder gar Europa. Zumal das Netz an Ladestationen noch eher spärlich ist – und der Betreiber des LKWs zum Transport von Waren daher auf seine eigene Infrastruktur setzen muss. Außerdem verringert sich durch den Einbau der Batterie auch die Ladekapazität des Lastwagens. Bei einem klassischen 18-Tonner kann daher anschließend eine Tonne weniger transportiert werden. Problematisch für die Verbreitung von Lastwagen mit Solarantrieb sind zudem die hohen Anschaffungskosten. Diese liegen deutlich höher als bei konventionellen LKWs – können später durch die niedrigeren Betriebskosten aber wieder hereingeholt werden.

Die Zukunft von Lastwagen mit Solarantrieb

Bisher handelt es sich bei den Solarlastwagen noch eher um ein Nischenprodukt. So kann der Einsatz für Supermarktketten beispielsweise durchaus sinnvoll sein. Klassische Speditionen, die Waren über hunderte von Kilometern transportieren müssen, werden allerdings auch weiterhin auf den klassischen Verbrennungsmotor setzen. Dies sollte aber nicht ewig so bleiben. Denn sowohl bei der Steigerung der Effizienz der Solarmodule, als auch in der Batterietechnik sind noch enorme Potentiale vorhanden, die früher oder später erschlossen werden dürften. Gelingt es dann, die Reichweite der Solarlastwagen zu erhöhen und eine Infrastruktur an Ladestationen aufzubauen, stellen die LKWs mit Solarantrieb eine ideale Möglichkeit dar, um ökologische Nachhaltigkeit mit ökonomischen Vorteilen zu verknüpfen.

Bildquelle: Chesky – 393227755 / Shutterstock.com


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