Krise beim Ökostrom-Projektierer juwi AG

Daniel Reissmann 30. Juni 2014 0


Nachdem schon einstige Branchenriesen wie Bosch Solar, PROKON und Conergy in die Krise geraten waren und teilweise auch insolvent gingen, atmete man in der Erneuerbare-Energien-Branche zuletzt wieder auf. Das schlimmste schien überstanden, da durch die Zollbarrieren die die Europäische Union (EU) gegenüber chinesischen Billig Solarmodulen aufgebaut hatte, auch der extreme Preisdruck nachließ. Doch nun gerät ein weiterer Riese ins schwanken. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Welt“ kriselt es beim Ökostrom-Projektierer juwi AG. Beim Wörrstädter Unternehmen droht der Abbau von hunderten Stellen. Zuletzt expandierte das Unternehmen sehr stark, finanzierte sich aber trotzdessen weitgehend über Fremdkapital. Aus der eigenen Belegschaft kommen daher vermehrt kritische Töne gegenüber dem Management.

© Smileus - Fotolia.com

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Managementversagen oder EEG-Novelle

Die juwi AG ist ein Projektentwicklungsunternehmen, welches zuletzt vor allem einen Schwerpunkt auf die Realisierung von Projekten im Bereich der Solarenergie legte. Anfänglich und auch jüngst lag der Fokus allerdings vermehrt auf Windenergieprojekten. Bis heute hat das Unternehmen rund 2.000 Erneuerbare-Energien-Anlagen entwickelt. Damit einher ging eine rasante Expansion von rund 75 Mitarbeitern in 2003 auf etwa 1.800 Mitarbeitern im Jahr 2012. Zuletzt baute man beim Projektierer allerdings wieder Stellen ab. In etwa 300 Mitarbeiter mussten gehen. Dieses Schicksal droht nun weiteren 300 bis 400 Mitarbeitern. In der Belegschaft kritisiert man insbesondere das Management. “Die Gesetzesänderungen sind aber auch ein willkommenes Alibi, um vom eigenen Managementversagen abzulenken”, lauten Stimmen aus der Belegschaft, die kritisieren, dass man im Management vor allem die EEG-Novelle für die Krise verantwortlich macht. Die Unternehmenszahlen von juwi zeigen, dass man sich bei der Expansion vor allem mit Fremdkapital finanzierte. So liegt der Eigenkapitalanteil des Unternehmens momentan gerade noch bei 20 Prozent. Daher wurde scheinbar auch die Unternehmensberatung Roland Berger durch Druck der kreditgebenden Banken eingeschaltet. Zuletzt wurde das operative Ergebnis nur zu 59 Prozent erreicht. Mittlerweile schließen Branchenexperten nicht mehr aus, dass bei juwi ein Minderheitsgesellschafter, zusätzlich zu den beiden Hauptanteilseignern und Geschäftsführern Fred Jung und Matthias Willenbach, einsteigen wird.


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