Kohlekraftwerke – Dreckig, unbeliebt aber dennoch benötigt


Fossile Kraftwerke notwendig, um Energiebedarf zu decken

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Wenn wir in Deutschland über das Thema Stromversorgung bzw. Energieerzeugung sprechen fallen zunächst Schlagworte wie Energiewende, Erneuerbare Energien oder Versorgungssicherheit. Vieler Ort wird von Windparks zu Land bzw. auf hoher See gesprochen, über die Anpassung des Erneuerbaren Energien Gesetzes oder den sicheren Rückbau der nuklearen Anlagen bzw. den sicheren Einschluss von Atommüll.

Bis 2020 soll der Strom in Deutschland zu einem Drittel aus erneuerbaren Energien kommen, bis 2050 soll es sogar 80 Prozent sein. Zu diesem Zeitpunkt soll die Atomkraft bereits längst Geschichte sein, bereits jetzt (seit 2011) wurden acht Atommeiler vom Netz genommen. Doch was ist mit der Kohle? Die Kohlekraft macht heute rd. 45% des Energiemix aus und wird zukünftig noch eine wesentliche Rolle in der deutschen Stromlandschaft spielen, sehr zum Ärger von Umweltschützern.

Ohne Kohle, keine Versorgungssicherheit

Vor der schrecklichen Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima haben sich viele Menschen damit abgefunden umringt von Atomkraftwerken zu leben. Die Bilder aus Tschernobyl waren zum größten Teil bereits vergessen und die Atomkraft wurde als Brückentechnologie akzeptiert. Anders hingegen die Kohlekraft, diese geriet zunehmend in den Fokus der Umweltverbände und –aktivisten. Vor allem der enorme CO2-Ausstoß und die Ausbeutung von Kohlevorkommen weltweit wurden dabei kritisiert. Mit der Verabschiedung des Kyoto-Protokolls und der Einführung eines europaweiten Emissionshandels schien man die passenden Antworten gefunden zu haben. Doch so schmutzig und unbeliebt die Kohlekraftwerke auch sein mögen in den Augen vieler, sie werden eine elementarer Bestandteil der Energiewende sein und das Rückgrat unserer Stromversorgung.

Die wenigsten werden wohl wissen, dass derzeit 23 neue Kohlekraftwerke mit einer Leistung von über 24.000 Megawatt geplant oder gebaut werden in Deutschland. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace schätzt, dass allein diese rd. 150 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen werden. Doch wieso brauchen wir zukünftig noch eine solche Anzahl an Stein- und Braunkohlekraftwerken?

Mit Erneuerbaren Energien wie Wind, Wasser und Photovoltaik allein lässt sich der Atomstrom, der etwa 20 Prozent des erzeugten Stroms in Deutschland ausmacht, derzeit nicht ersetzen. Die Verfügbarkeit von Erneuerbaren Energien hängt sehr stark vom Wetter ab, d.h. es gibt Phasen in denen mangels Wind oder Sonnenschein Strom fehlt und Phasen mit einem Stromüberschuss, dann wenn nämlich die Sonne besonders stark scheint oder der Wind besonders stark weht. Darüber hinaus ist die Speicherung dieser Energie derzeit in der Form und Größe wie wir sie in Deutschland benötigen nicht (wirtschaftlich) umsetzbar. Diese Tatsache ist nicht nur für den Verbraucher schlecht, die Schwankungen können vor allem das Stromnetz zusammenbrechen lassen.

Aus diesem Grund braucht Deutschland seine Kohlekraftwerke bzw. seine konventionelle Erzeugung, die sich gezielt steuern lassen. In jenen Phasen wen keine Sonne scheint oder der Wind ausbleibt müssen Kohle- bzw. Gaskraftwerke einspringen um einer Versorgungslücke entgegenzuwirken. Und hierbei reicht es nicht aus zentrale wenige Kraftwerke vorzuhalten, ohne einen entsprechenden Stromnetzausbau, der Zeit und vor allem Geld in Anspruch nimmt, muss regional d.h. im Süden, Westen, Norden und Osten die Versorgungssicherheit gewährleistet werden. Im Winter 2011/2012 wurde z.B. in Österreich zeitweilig ein altes Ölkraftwerk angeworfen, um eine drohende Stromlücken in Süden Deutschland zu schließen. Auch aus Frankreich und Tschechien importierte Deutschland zeitweise Atomstrom.

Netzausbau statt Kohlekraftwerke?

Doch auch das Thema Versorgungssicherheit hält Kritiker nicht davon ab gegen den Erhalt bzw. den gezielten Ausbau von Kohlekraftwerken zu protestieren. Die Umweltverbände setzen auf den Netzausbau, doch dieser scheitert insbesondere an uns Bürgern selbst.

Trassenausbau ja, aber nicht bei mir und nicht durch meinen Vorgarten. Unsichtbare, teure Erdkabel ja, aber nicht finanziert durch meine Steuergelder. Der Netzausbau in Deutschland ist ein hoch komplexer Prozess, zum einem befinden sich die Netzbetreiber nicht (mehr) in staatlicher Hand, d.h. ein direkter Zugriff besteht nicht mehr. Zum anderen gibt es zahlreiche sog. Stakeholder in solch einem Planungsvorhaben. Vom Bund, über das Land, die Kommune/Gemeinde bis hin zum Bürger. Kaum wird ein neues Trassenprojekt angekündigt liegen bereits hunderte von Einsprüchen vor.

Darüber hinaus wird immer noch darüber gestritten was der Netzausbau kostet und wie er im Detail ablaufen soll. Nach dem Netzausbauplan, den die vier großen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW Ende Mai veröffentlichten, werden die Modernisierung und der Ausbau der Trassen in Deutschlandland bis 2022 rd. 20 Milliarden Euro verschlingen. Das wären zwei Milliarden Euro pro Jahr, die in irgendeiner Form auf die Verbraucher überwälzt werden.