Guerilla Photovoltaik: Stromerzeugung- und handel in der Nachbarschaft

Daniel Reissmann 12. Oktober 2013 0


Der Strompreis steigt und viele Verbraucher sehen sich dieser Entwicklung etwas ratlos ausgesetzt. Ist man wirklich völlig von den politischen Entscheidungen abhängig? Oder gibt es auch einfachere und selbst umsetzbare Lösungen um billiger an das begehrte Gut Strom zu kommen? Neueste Entwicklungen zeigen, dass bereits ein beträchtlicher Anteil der Bevölkerung hausgemachten Strom vermarktet. Allerdings nicht über die großen Stromhandelsmärkte, sondern unkomplizierter und direkter. Nämlich an die eigenen „Nachbarn“.

© digitalstock - Fotolia.com

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Selbstversorgung ist „in“

Seit im vergangenen Jahr das EEG dahingehend geändert wurde, dass selbst produzierter Solarstrom unter die Durchschnittspreise des Netzstroms gesunken ist, wird die Selbstversorgung immer attraktiver. Pro eingespeister Kilowattstunde Solarstroms gibt es aktuell etwa 15 Cent, für Netzstrom liegen die Spitzenpreise bei etwa 27 Cent. Entsprechend speisen viele Selbstversorger nur noch den Strom ein, der nicht eigens verbraucht werden kann. Eine Studie des Bundesverbandes Solarwirtschaft hat kürzlich ergeben, dass etwa ein Drittel aller diesjährig installierten Photovoltaikanlagen für den Eigenverbrauch eingerichtet wurden. Viele der Selbstversorgungspioniere haben sich auch für den Winter abgesichert. Um den Mangel an solarer Strahlung auszugleichen haben sich einige Selbstversorger, mit Gas betriebene Blockheizkraftwerke im Keller eingerichtet.

Die wahre Direktvermarktung

Der neue Trend hat einen weiteren positiven Effekt. Denn durch den neu strukturierten Energiemarkt können viele der Eigenstromverbraucher auch als Stromhändler agieren. Der privat produzierte Strom kann an die eigenen Nachbarn verkauft werden. Ähnlich eines Bauern, der seine eigene Ernte isst und das was er selbst nicht verwerten kann, auf einem Bauernmarkt verkauft. So beliefert eine zunehmende Anzahl von Photovoltaik-Anlagenbetreibern Dritte direkt mit Strom. Eine neue Sparte der Energieversorger, die einen nicht unerheblichen Kostenvorteil mit sich bringt. Denn falls Vermieter ihre eigenen Bewohner mit hausgemachten Strom versorgen, so bezahlen diese kein Netzengelt, keine Konzessionsabgabe und zudem keine Stromsteuer. Im Durchschnitt wird der eigene Strom dadurch rund zehn Cent billiger als Netzstrom. Ein lohnendes Geschäft für Verbraucher und Erzeuger.


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