Geschäftsmodelle der neuen Energiewirtschaft

Daniel Reissmann 18. Juni 2015 0


Es gibt kaum einen Wirtschaftsbereich, abgesehen von der IT-Branche, der in den vergangenen Jahren einem so grundlegenden und massiven Umbruch ausgesetzt war, wie die Energiebranche. Zu Beginn der 1990er Jahre, kurz vor der Liberalisierung des Energiemarktes hätte wahrscheinlich niemand jemals erwartet, dass die Energiewirtschaft im Jahr 2015 derart komplex, verworren und vielfältig sein wird, wie sie sich aktuell darstellt. Während anfangs ein klar strukturierter und überschaubarer Monopolmarkt bestand wurden die Strukturen nach der Liberalisierung bereits um einiges komplexer. Die Wertschöpfungskette wurde nun von verschiedenen Playern bedient, welche von Erzeugung, über Distribution bis hin zum Vertrieb agierten. Heute ist aus dieser Kette ein ganzes Geflecht geworden, welches immer undurchsichtiger erscheint. Seitdem sogar kleinere Privatanbieter im Erzeugermarkt mitspielen und eigene Wind- und Solarparks betreiben ist die Struktur unüberschaubar geworden.

© Eisenhans - Fotolia.com

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Von 200 zu mehr als 100.000

Zu Zeiten der konventionellen Energiewirtschaft wurden ungefähr 200 Kraftwerke betrieben. Vor allem die großen Energieriesen waren dafür zuständig, die Wirtschaft war zentral ausgelegt. Heute gibt es mehr als 100.000 Erzeugungseinheiten, die von unterschiedlichster Seite betrieben. Sicherlich sind es weiterhin die großen Energieunternehmen, welche die meiste Energie erzeugen und die leistungsfähigsten Anlagen betreiben, doch nichtdestotrotzt sind viele kleinere Akteure hinzugekommen. Da die erneuerbaren Energien mit einem Stromerzeugungsanteil von 25 Prozent immer bedeutender werden, stellt sich auch zunehmend die Frage wie die Vielfalt an Produzenten sinnvoll koordiniert werden kann, sodass auch Rentabilität geboten ist. Denn eines ist klar, mit einem derart hohen Anteil am deutschen Strommix sind die erneuerbaren Energien gezwungen auch außerhalb des EEG marktfähig zu sein.

Energiewirtschaft 4.0 als Stichwort

Der neue Wandel zur Marktfähigkeit der Erneuerbaren wird in Fachkreisen gern als Energiewirtschaft 4.0 bezeichnet. Dabei schließt das 4.0 an die Vorgängersysteme an. Zuerst die zentralisierte Monopolwirtschaft, anschließend die liberalisierte Energiewirtschaft, im Anschluss daran die Wirtschaft mit einem geringen Anteil erneuerbarer Energien und vielen Marktförderungsinstrumenten wie dem EEG und nun die neue, stark auf Regenerativkraft basierende Energiewirtschaft 4.0. Für Energiemanager werden vor allem sogenannte virtuelle Kraftwerke immer wichtiger, da erst über den digitalen Zusammenschluss verschiedener Erzeugungseinheiten ein sinnvolles Lastmanagement möglich wird. “Wir sprechen mittlerweile lieber von virtuellen Energie-Managementsystemen, da in ihnen sowohl Erzeugung als auch Verbrauch zusammenfließen”, meint Eberhard Holstein, technischer Geschäftsführer der Grundgrün Energie GmbH. In die neuen Managementsysteme gehen verschiedenste Daten ein. Neben den klassischen Verbrauchs- und Gebrauchskennzahlen auch Prognosen und Flexibilitätsindikatoren.

Versorger bekommen völlig neue Rolle

Klassische Energieversorger müssen ihre Geschäftsmodelle grundlegend umdenken, um auch in Zukunft noch konkurrenzfähig bleiben zu können. Insbesondere die Informations- und Kommunikationstechnologie wird immer wesentlicherer Bestandteil der Energiewirtschaft. Nur über moderne Datenverarbeitungstechnologien ist es möglich die vielen Markt- Preis- und Prozessinformationen so aufzubereiten, dass eine schnelle Bewertung und Reaktion möglich wird. Energiedienstleister wie beispielsweise Grundgrün werden daher immer wichtiger, da viele Firmen die oben genannten Leistungen nicht In-House vollziehen können oder wollen. “Mit innovativen Lösungen, die erneuerbare Energien schrittweise gleichberechtigt mit konventionellen Energieträgern am Energiemarkt teilnehmen lassen, verfolgen wir das Ziel einer verantwortungsvollen und von Grund auf ge- und durchdachten – eben einer grundgrünen – Integration der Erneuerbaren in den neuen Energiemarkt. Dazu befähigen wir Erzeuger von PV-, Wind- und Biomassestrom, den entscheidenden Schritt aus dem EEG zu vollziehen und mittelfristig in einem Markt ohne Subventionen bestehen zu können. Die Energiewende wird erwachsen – und Grundgrün liefert intelligente Geschäftsmodelle und smarte Lösungen für diesen wichtigen Entwicklungsschritt.”, so fasst es Holstein zusammen.


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