Frankreich und der Atomstrom

admin 5. Dezember 2012 0


Angeblich haben es die Franzosen ja mit ihrem Atomstrom in Frankreich so einfach. Massenhaft Energie für wenig Geld. Doch das Bild trügt, auch in Frankreich läuft nicht alles ideal mit der Energiepolitik. Vor allem das sich im Bau befindende EPR-Kraftwerk (European Pressurized Reactor) in Flamanville macht Probleme. Politiker der in Frankreich regierenden Grünen fordern nun den Baustopp, aufgrund der extrem ansteigenden Extrakosten. Ganze zwei Milliarden Euro mehr soll das Projekt kosten, was die bisherigen Kosten auf 8,5 Milliarden Euro treibt.

Der italienische Energiekonzern Enel war vor wenigen Tagen noch mit rund 12,5 Prozent an dem Projekt beteiligt. Doch nun zogen sich die Italiener zurück und verlangen rund 613 Millionen Euro der Investitionen wieder. Dies wird auch für den französischen Konzern Avera zum Problem. Dieser wollte die EPR-Technologie in die Welt exportieren, doch erst kürzlich ging Frankreich ein Auftrag in Höhe von 20 Milliarden Euro durch die Lappen. Anstatt französischer Atomkraftwerke entschied sich das Emirat Abu Dhabi für zwei Druckwasserreaktoren der zweiten Generation aus Südkorea.

Im Herbst 2013 soll auch das neue Energiegesetz in Frankreich in Kraft treten. Für die Energiewende sollen bis 2030 ganze 590 Milliarden Euro zum Einsatz kommen. Davon würden gerade mal 100 Milliarden Euro für die Abkehr vom Atomstrom genutzt werden. Der Großteil soll für die Ausweitung und Verbesserung des Stromnetzes sowie eine verbesserte Energieeffizienz im Land genutzt werden. Denn rund 50 Prozent der französischen Wohnungen sind mangelhaft gedämmt. Wer braucht schon Dämmung, wenn man billigen Atomstrom hat?