Erneuerbare weltweit: Energiewende in den bevölkerungsreichsten Staaten

Daniel Reissmann 16. Februar 2015 0


Die deutsche Energiewende ist weltweit Vorbild in Sachen Transformation der Energiewirtschaft. Auch wenn dies die deutsche Politik freut, wird Deutschland allein die Folgen umweltschädlicher Energieerzeugung nicht verhindern können. Zunehmend blickt die Weltöffentlichkeit daher auf die großen bevölkerungsreichen Staaten wie Indien, China oder Brasilien. Mit dem hohen Energieverbrauch dieser Länder ist es unabdingbar, dass vor allem diese ihre Energiewirtschaft umstellen. So gibt es bereits zaghafte Anfänge, was auch immer mehr Investoren bemerken, sodass in diese Märkte zunehmend Geld gepumpt wird. Entsprechend gibt es immer mehr Erneuerbare-Projekt in Indien, China und Co., der Weg zur Regenerativwirtschaft ist allerdings noch lang.

© visdia - Fotolia.com

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Chinas Städte unter der Smogwolke

Wenn von Luftverschmutzung gesprochen wird, so denken viele Menschen berechtigterweise zuerst an Chinas Großstädte. In Peking und anderen chinesischen Metropolen sind die, als gesundheitlich unbedenklich eingestuften, Grenzwerte bei weitem überschritten. Viele Menschen tragen daher Atemmasken, was gegen herumfliegenden Smog, der auch auf Essen und Kleidung landet, allerdings nur wenig bringt. Chinas Regierung hat daher nun veranlasst sechs Millionen Fahrzeuge, die besonders viele Giftstoffe emittieren, aus dem Straßenverkehr zu entfernen. Für Viele lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. So wächst Chinas Straßenverkehr pro Jahr um 20 Millionen Fahrzeuge mit steigender Tendenz. Das Verschmutzungsproblem wird sich also eher verstärken als reduzieren. China gilt als größter und zugleich sorglosester Emittent von Kohlenstoffdioxid weltweit. Sicherlich hat die große Bevölkerungszahl einen immensen Einfluss auf die hohen Emissionen, doch auch die unaufgeregte Energiepolitik trägt einen sehr großen Anteil an dieser Situation.

Wirtschaftswachstum vor Treibhausgasreduzierung

In den letzten Jahrzehnten bestimmte vor allem ein Credo Chinas Wirtschaftspolitik. Wachstum vor Reduktion. Die Wirtschaft im Land der Mitte brummt und wächst seit Jahren mit enormen Wachstumsraten von denen die krisengebeutelten europäischen Staaten nur träumen können. Durch diese alles überflügelnde Wachstumspolitik, gerieten andere Themen in Vergessenheit, so auch Chinas enorme Umweltprobleme. Diese lassen sich allerdings nicht verdrängen, sodass auch Chinas Regierung langsam aber allmählich aus dem Schlaf erwacht und merkt, wie stark eine Änderung dieser Situation drängt. Technologisch ist einiges möglich. So kann China durch Smart Grid Systeme, effiziente Kühlsysteme und eine energetische Gebäudesanierung Unmengen an Energie und entsprechender Emissionen einsparen. Einfache Maßnahmen mit großer Wirkung. Doch China hält sich bedeckt, denn derartige Maßnahmen würden Milliarden Euro verschlingen.

Pläne hat China bereits

Dabei gibt es auch in China politisch ambitionierte Zielsetzungen, wie die im Nationalen Entwicklungsplan von 2011. Aktuell ist man von diesen Zielen allerdings weit entfernt. Unabhängig davon, kann die autoritäre Regierung in Peking die Probleme nicht mehr ignorieren. Vielerorts gibt es Bürgerbegehren und Proteste zum Thema Umweltschutz, denn neben den smogbedeckten Städten sind auch Wälder, Seen und Flüsse verschmutzt, teils sogar völlig vergiftet. Großangelegte Vorsätze hat China, doch die Umsetzung kommt nicht so richtig in Gange. Obwohl seit kurzem auch chinesische Firmen für Emissionen zahlen müssen, ähnlich den europäischen Emissionshandel, wird dies nur schlampig umgesetzt. Einige Kommunalregierungen drücken lieber ein Auge zu, um neue Investoren anzulocken. Das Wachstumscredo hat immer noch Vorrang.

Einige Investitionen werden von staatlicher Seite gemacht

Da die Mechanismen immer öfter versagen und Vorgaben nur sehr legere eingehalten werden, investiert China bereits jetzt sehr große Summen in den Ausbau der erneuerbaren Energien. Sie sollen die Kohlekraft allmählich ablösen, denn diese ist nach wie vor die Hauptenergiequelle in China. Zuletzt vermeldete Chinas Statistikbehörde hierbei einen ersten Erfolg. So soll die Kohleförderung zuletzt um 2,1 Prozent gesunken sein und das obwohl weiterhin ein starkes Wirtschaftswachstum vorherrscht. Chinas Kohleindustrie hält dies für einen kurzzeitigen und konjunkturbedingten Effekt. Andere wiederrum gehen davon aus, dass dies bereits eine Wirkung der staatlichen Umweltregulierung und der hohen Investitionen in erneuerbaren Energien ist. Für 2015 ist daher ein weiterer Kohleproduktionsrückgang von 2,5 Prozent prognostiziert.

Auch Energieeffizienz wird gesteigert

Neben den Investitionen in den Ausbau der erneuerbaren Energien von staatlicher Seite wird auch in die Energieeffizienz investiert. So vermeldete auch hier die chinesische Statistikbehörde erste Erfolge, denn die Treibhausgasemissionen je Einheit des Bruttoinlandproduktes konnte im Vergleich zum Jahr 2013 in 2014 um 4,8 Prozent reduziert werden. Experten führen diesen Effekt neben den bereits erwähnten Ausbau der erneuerbaren Energien auch auf die Energieeffizienzmaßnahmen zurück. Doch auch wenn der Staat bereits fleißig investiert ist Chinas Wirtschaft noch zurückhaltend. “Das Grundinteresse an effizienter Technologie ist vorhanden, wenn man es gut vermarkten kann”, meint beispielsweise Marco Abdallah von Dress & Sommer in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung. Da zeigt sich wieder einmal Chinas Hauptinteresse: Wirtschaftswachstum und Rendite. Abdallah geht allerdings davon aus, dass künftig durchaus mehr in Energiesparmaßnahmen, auch von Seiten der Unternehmen, investiert wird. Doch damit sind Chinas Probleme noch nicht gelöst. “Energiesparende Maßnahmen können das Wachstum der Emissionen verlangsamen. Stoppen werden sie es auf absehbare Zeit nicht”, warnt er Abdallah.

Auch Indien ist noch nicht sehr weit

Auch Indien, Asiens Platz im Ranking der bevölkerungsreichsten Staaten, hat noch viel Potential beim Ausbau der erneuerbaren Energien beziehungsweise der Umsetzung der Energiewende selbst. Dabei kann vor allem Indien vom Ausbau der erneuerbaren auch kostenseitig sehr stark profitieren. So fand vor kurzem in Neu-Delhi die erste Renewable Energy Global Investors‘ Meet & Expo, kurz Re-Invest, statt. Hier trafen sich Regierungsvertreter, Unternehmen und Energiewirtschaftler um insbesondere über Indiens Ausbau der erneuerbaren Energien zu diskutieren. Adnan Z. Amin, Generaldirektor der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) betonte, dass gerade Indien von einem Ausbau der erneuerbaren ökonomisch profitieren könne. Prognosen gehen davon aus, dass Indien bis 2030 China als bevölkerungsreichsten Staat der Welt überholen wird und daher auch einen doppelt so hohen Energieverbrauch wie heute haben wird. Dabei ist Indien bereits heute der weltweit viertgrößte Energieverbraucher.

IRENA: Wirtschaftlich wäre der Ausbau für Indien sehr sinnvoll

Insbesondere die IRENA weist darauf hin, dass Indien vom Ausbau der Regenerativwirtschaft in hohem Maße profitieren könnte. In einem IRENA-Report mit dem Titel „Renewable Power Generation Costs in 2014“ zeigen die Experten auf, dass die Kosten für erneuerbaren Energien schon heute bei vielen Technologien auf dem Niveau der fossilen Energieträger und in manchen Nationen der Welt auch noch weit darunter liegen. Indien gehört demnach zu den Ländern mit den weltweit niedrigsten Entwicklungskosten weltweit. So kosten Installationen von Biomasse, Wasserkraft und Onshore-Windkraft in Indien etwa 1,24 bis 1,39 US-Dollar pro Kilowatt. Photovoltaikanlagen liegen bei etwa 1,67 US-Dollar pro Kilowatt und sind damit in den letzten Jahren am stärksten gesunken. In Europa sind die Installationskosten weitaus höher und liegen für PV-Freiflächenanlagen bei etwa 2,33 US-Dollar pro Kilowatt. Auch die Preise für erneuerbare Rohstoffe sind in Indien geringer, vor allem für Biomasse. Indien hat hier gute Chancen, die eigene Wirtschaft durch einen Ausbau der erneuerbaren Energien zu stimulieren. Bei dem steigenden Energieverbrauch und der stark wachsenden Bevölkerung ist dies auch nötig um in Zukunft Wohlstand zu generieren. Sowohl Indien als auch China haben noch einen weiten Weg vor sich, scheinen die Zeichen der Zeit allerdings allmählich zu verstehen.


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