Erneuerbare weltweit: 100 Prozent Grünstrom auf Costa Rica

Daniel Reissmann 31. März 2015 0


Zwischen Nicaragua im Norden und Panama im Süden liegt der kleine Küstenstaat Costa Rica. In Westeuropa ist das 50.000 Quadratkilometer große Idyll vor allem als Urlaubsort bekannt. Jährlich zieht es auch viele Deutsche nach Costa Rica um die schönsten Tage des Jahres dort zu verbringen. Kaum einer assoziiert Costa Rica mit der Energiewende, erneuerbaren Energien und Ökostrom. Doch gerade in diesem Bereich ist der kleine vier Millionen Einwohner Staat Vorreiter. Seit Beginn dieses Jahres bezieht Costa 99,4 Prozent des eigenen Strombedarfs aus erneuerbaren Energien. Durch die geografische Lage dominiert vor allem die Wasserkraft.

© visdia - Fotolia.com

© visdia – Fotolia.com

Förderung von regenerativen Energien und Ökotourismus

Costa Rica zeigt damit, dass eine Stromversorgung durch beinahe 100 Prozent erneuerbarer Energiequellen möglich ist. Umweltschutz spielt in Costa Rica traditionell eine wichtige Rolle, weswegen die erneuerbaren Energien konsequent gefördert wurden. Hintergrund dieser Umweltverbundenheit ist vor allem der Ökotourismus, welcher einer der wichtigsten Einnahmequellen des Landes ist. Ökotourismus, auch naturnaher Tourismus genannt, bezeichnet touristische Aktivitäten die besondere Rücksicht auf die Umwelt und die ansässige Bevölkerung nehmen. Um die Naturschönheit des Landes zu erhalten und nachhaltig zu sichern, ist auch die Energieversorgung in Costa Rica Umweltschonend gestaltet. Wasserkraftwerke steuern 68 Prozent zur Strombereitstellung auf der Insel bei. Insbesondere durch anhaltende Starkregenphasen, die vor allem zu Beginn des Jahres auftreten, können die Wasserkraftwerke auf Hochtouren arbeiten und die Stauseen können sich für Trockenzeiten auffüllen.

Günstige Verbraucherstrompreise auf Costa Rica

Der Wasserkraft folgen die regenerativen Energiequellen Geothermie, Windkraft, Bioenergie und Solarenergie. Durch die hohen Anteile erneuerbarer Energien an der nationalen Stromversorgung ist der Strompreis auf Costa Rica seit Beginn des Jahres um zwölf Prozent gefallen.  Costa Rica ist der erste lateinamerikanische Staat dem eine Stromversorgung aus beinahe 100 Prozent erneuerbarer Energie gelungen ist. Nach den skandinavischen Staaten Schweden und Norwegen nimmt Costa Rica damit den dritten Platz im Global Green Economy Index 2014 der umweltfreundlichsten Nationen weltweit ein. ” […] in einer diversifizierten, nachhaltigen, optimierten und ökonomischen Weise, die eine qualitativ hochwertige Versorgung  unter Teilnahme des öffentlichen und privaten Sektors garantiert.“, will Costa Rica bis 2021 eine dauerhaft vollständig erneuerbare Stromversorgung erreichen, so fasst es Carlos Obregón, Präsident des costaricanischen Stromversorgers, Instituto Costarricense de Electricidad (IZE), zusammen.

Lob für Diversifikation der Energiequellen

Lob erhielt Costa Rica vom World Wildlife Fund (WWF), welcher vor allem positiv darauf hinweist, dass Costa Rica konsequent verschiedene erneuerbare Energiequellen einsetzt und nicht ausschließlich auf Wasserkraft setzt. Damit stellt das costaricanische Modell in Abstrichen auch eine Blaupause für ähnlich strukturierte Staaten dar. Weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass durch die Diversifikation der Erzeugungsquellen der Gefahr eines flächendeckenden Blackouts vorgebeugt werden kann. Eine Studie des WWF zeigt zudem, dass Costa Rica das engagierteste lateinamerikanische Land, in Sachen Energiewende, ist. Die wichtigste Rolle für die Stromversorgung Costa Ricas spielen aktuell die vier Talsperren Arenal, Cachí, La Angostura und Pirrís. Weitere Talsperren sind in Planung, haben allerdings zu massiven Protesten geführt. Insbesondere das Projekt El Diquis, durch welches rund 7.000 Hektar Regenwald im Terraba-Tal geflutet würden, hat große Protestwellen geschlagen. Aus diesem Grund sucht die costaricanische Regierung nach Alternativen zu den großen Stauseen. Insbesondere die Zwangsumsiedlung indigener Völker und die Abholzung oder Überschwemmung von Regenwäldern schaden auch dem Öko-Image des Landes, was den Ökotourismus langfristig gefährden könnte. Aufgrund der volkswirtschaftlichen Relevanz des Ökotourismus will man dies in Costa Rica keinesfalls riskieren. Entsprechend wird das Portfolio an verschiedenen erneuerbaren Erzeugungsanlagen zunehmend ausgebaut. Insbesondere geothermische Anlagen, aber auch kleine Wasserkraftwerke und Bioenergieerzeugungsanlagen werden gefördert. Costa Rica ist damit nicht nur Vorbild für die lateinamerikanische Region, sondern kann auch in Westeuropa, vor allem im Süden, als Beispiel dienen. Denn in Spanien, Portugal, Griechenland und anderen sudeuropäischen Staaten herrschen vergleichbare geografische Voraussetzungen.


Comments are closed.