Eon im Umbruch: Teyssen wirbt für die neue Unternehmensstruktur

Daniel Reissmann 1. Juni 2015 0


Ende des Jahres soll es soweit sein. Eon, Deutschlands größter Energieversorger, wird sich in zwei Unternehmen aufspalten. Vor knapp einem halben Jahr kamen die radikalen Umbruchspläne des Energieriesen ans Tageslicht und sorgten in der Branche für viel Diskussion. Mittlerweile ist klar, dass die Meldung keine Ente ist. Eon Chef Johannes Teyssen ist auf Werbetour für die neue Firmenstruktur und versucht sich in den „Energiewende-Hochburgen“ Deutschlands mit der neuen Tochter Eon SE zu positionieren. Zuletzt sprach Teyssen vor der IHK in Berlin und schwärmte von Berlins Energiewende-Ambitionen.

© Thorsten Schier - Fotolia.com

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Konzentration auf die erneuerbaren Energien

Ab 2016 wird mit der Eon SE ein Unternehmen existieren, durch welches ein großer Energieriese erstmals den Fokus auf die erneuerbaren Energien setzt. Zwar wird mit der zweiten Sparte, Uniper, die in Düsseldorf ansässig sein wird, auch ein Unternehmen gegründet, welches sich um die Stromerzeugung aus konventioneller Energie und Wasserkraft kümmert,  doch der neue Fokus wird aller Voraussicht nach auf Eon SE liegen. Bei ihr sollen die Verteilnetze, die erneuerbaren Energien und die Betreuung der rund 33 Millionen europäischen Kunden von Eon angesiedelt werden. Chef von Eon SE wird Teyssen, zudem wird Hauptsitz, anders als bei Uniper, ein neuer werden: Essen.

Neue Erfolge erhofft

Mit dieser radikalen Entscheidung erhofft sich der Konzern neue Erfolge, nachdem das Jahr 2015 bisher verhältnismäßig schlecht verlief. Für die Aktionäre von Eon ging der Kurs des Düsseldorfer Unternehmens zuletzt drei Prozent nach unten und das obwohl der DAX um 20 Prozent zulegen konnte. Von der US-Ratingagentur S&P wurde die Bonität Eons daher prompt von „A-“ auf „BBB+“ gesenkt. Gerade diese Entwicklungen haben Eon zu der krassen Spaltungsentscheidung veranlasst. So sind es vor allem die konventionellen Sparten, die immer mehr unter Druck geraten und zunehmend rote Zahlen schreiben. Mit der Aufspaltung will man das Risikoprofil auf Dauer verbessern, sodass wieder mehr Anleger in Eon-Aktien (bzw. die der neuen Gesellschaften) investieren. Teyssen wirbt schon jetzt kräftig für neuen Großkunden. In Berlin machte er deutlich, dass Eon sehr daran interessiert ist die Berliner Energiewende zu begleiten. Zu konkreten Engagements sagte er allerdings nichts. “Ich werde keine Aussagen machen dazu, was Eon machen könnte oder wollte oder zu Ideen.”, so Teyssen.

Zurückhaltung und Bewerbung

Es ist ein Drahtseilakt für den Eon-Vorstandschef, denn immerhin sind an diesem Tag auch Konkurrenzfirmen anwesend und gegenüber diesen will Teyssen keine Details verraten. Daneben ist allerdings offensichtlich, dass er sich mit Eon SE als industrieller Partner für die Berliner Energiewende bewirbt, die bis 2050 umgesetzt werden soll. Die wachsende Hauptstadt mit einer Vielzahl an kreativen Köpfen und einer Stadtregierung, die durchaus bereit ist innovative Ideen umzusetzen, ist für den Energiekonzern sehr attraktiv. Offizielle Gespräche zwischen Berlin und Eon gäbe es bisher zwar nicht, aber Teyssen macht auch deutlich: “Wenn wir gefragt werden, werden wir reden.”

Schwärmerei auf Berlin

Spannend, international, offen für Veränderungen und einfach nur toll. Diese Schwärmereien auf Berlin hört man von Teyssen an diesem Tag öfter. Die Frage aus dem Plenum, ob sich Eon vorstellen könne den Hauptsitz auch in die Bundeshauptstadt zu verlegen, wird allerdings klar dementiert. Davon unabhängig, ist Eon sehr wahrscheinlich ein heißer Anwärter für den Industriepartner zum Betrieb der Berliner Netze, der momentan vom Senat gesucht wird. „Wir nehmen über ein Drittel der erneuerbaren Energie, die in Deutschland produziert wird, in unsere Netze auf“, so der Eon-Chef, ein klarer Wink in Richtung Berliner Senat.


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