Energiewende weltweit: Indiens „Solarpush“

Daniel Reissmann 12. Januar 2016 0


In Indien will man die Energiewende. Das wird so einige Klimaschützer freuen, denn immerhin ist das südasiatische Land mit rund 1,4 Milliarden Einwohner das zweitbevölkerungsreichste der Welt. Wo viele Menschen sind, dort wird meist auch viel konsumiert. Aber gerade Indien hat vor allem beim Stromkonsum noch so einiges an Puffer, denn das Land ist auch heute noch nicht flächendeckend mit Strom versorgt. Irgendwann soll das allerdings so sein, denn auch Indien will alsbald den Sprung zum Industriestaat schaffen und da gehört eine leistungsfähige Energieinfrastruktur nun einmal dazu. Es bietet sich also gerade für Indien an die erneuerbaren Energien zu fördern und nicht den Umweg über konventionelle Methoden zu gehen. In Neu-Delhi hat man das scheinbar erkannt, denn die indische Regierung hat nun den Förderhaushalt für Photovolatikanlagen erheblich aufgestockt.

© il-fede - Fotolia.com

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100 Gigawatt Solarstromleistung bis 2022

Indiens Energiehunger ist enorm und steigt, insbesondere durch die weiterhin rasant zunehmende Bevölkerungszahl, an. Deshalb wurde das Ausbauziel für die Solarstromleistung bis 2022 nun auf 100 Gigawatt erhöht. Dazu wurde der Förderhaushalt für PV-Dachanlagen mehr als verachtfacht und liegt nun bei 50 Milliarden Rupien, was etwa 690 Millionen Euro entspricht. Der Fördertopf richtet sich dabei ausschließlich an Privathaushalte und soziale und öffentliche Einrichtungen die planen eine PV-Dachanlage zu installieren. Gewerbe und Industrie sind von der Förderung ausgeschlossen. Indiens Regierung bietet die Förderung als Investitionszuschuss und nicht als Vollfinanzierung an. Um das angestrebte Ausbauziel zu erreichen müsste der Förderhaushalt dennoch ein weiteres Mal erhöht werden. PV-Dachanlagen sollen 40 Gigawatt der insgesamt 100 Gigawatt Solarleistung ausmachen. Der jetzt ausgelobte Fördertopf reiche allerdings gerade einmal für rund 4 Gigawatt, schätzen Experten der indischen Regierung.

Skepsis bei Kritikern

Auch wenn die Aufstockung des Förderhaushalts für PV-Dachflächen für Hauseigentümer nach guten Nachrichten klingt, so gibt es auch Skepsis. Einige Branchenvertreter vertrauen noch nicht darauf, dass der Fördertopf auch wirklich ausgeschüttet wird. Erst wenn das indische Ministerium für neue und erneuerbare Energien (MNRE) ein ausreichendes Budgetwachstum für 2016 und 2017 prognostiziert glauben einige Analysten, dass der Fördertopf tatsächlich ausgeschüttet wird. Wenn Indien die angehobenen Ausbauziele erreichen will, ist eine Förderung allerdings unabdingbar. Deshalb geht der Großteil der Branchenkenner davon aus, dass die Förderung kommt.


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