Energie als Lösung der Griechenland-Krise?

Daniel Reissmann 10. Juli 2015 0


Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und gefragte Umweltökonomin, schlug zuletzt in einem Gastbeitrag auf Capital eine interessante Option zur Lösung der aktuellen Krise in Griechenland und der Eurozone vor: Und zwar die Nutzung des hohen Potentials erneuerbarer Energien, welches in Griechenland vorhanden ist. Doch wäre es wirklich so einfach? Könnten die erneuerbaren Energien Griechenland zu neuem Aufschwung verhelfen?

© Smileus - Fotolia.com

© Smileus – Fotolia.com

Tourismus in der Sonne, Energie aus Kohle

Griechenland ist ein typisches Urlaubsland und profitiert von seiner südlichen und sonnenreichen Lage. Jedes Jahr kommen viele Touristen in das Land um das gute Wetter an den Stränden zu genießen. So verwundert es kaum, dass einer der wichtigsten Sektoren an der Ägäis die Tourismuswirtschaft ist. Die Geographie brachte Griechenland also bereits einige Vorteile. Künftig könnten die Griechen noch mehr von der Lages des Landes profitieren, so sieht es immerhin Claudia Kemfert. Laut der renommierten Ökonomin könnte Griechenland mit Leichtigkeit eine Energiewirtschaft basierend auf Wasser- und Wellenkraft, Solar- und Windenergie aufbauen. Kemfert meint, dass es wahrscheinlich gar zu einer Überschussproduktion kommen und Griechenland somit sogar noch Energie in benachbarte Staaten verkaufen könnte. Doch die derzeitige Realität sieht anders aus. Die griechische Energiewirtschaft basiert sehr stark auf fossilen Kraftstoffen wie Erdöl, Kohle und Gas. Bezogen werden die Energieträger vor allem aus Russland und Saudi-Arabien, weshalb Griechenland hier in einem starken Abhängigkeitsverhältnis ist.

Erste Veränderungen sind bereits gemacht

Ob die Griechen in diesen Tagen an erneuerbare Energien und deren Potentiale denken ist mehr als zweifelhaft. Trotzdem besteht hier eine große Chance die angeschlagene Wirtschaft wieder zu mobilisieren. So sieht es auch Claudia Kemfert in ihrem Gastbeitrag auf Capital.de und verweist auf das bereits 2010 beschlossene „Energiewende-Gesetz“ und die rund 50.000 neuen Jobs die dadurch entstanden sind. Woran liegt es also, dass die griechische Energiewende nicht so recht in Schwung kommen will? Laut Kemfert sind es die derzeitigen Sparauflagen, die den Spielraum zur Umgestaltung der Energiewirtschaft sehr einschränken. Um kein Risiko einzugehen bleibt man daher lieber beim Altbewährten auch aus dem Grund, dass die Fremdfinanzierung von EE-Projekten bisher kaum funktioniert. Mit der rückwirkenden Besteuerung bereits gezahlter Vergütungseinnahmen hat die griechische Regierung zudem dafür gesorgt, dass viele Unternehmen der Branche in heftige finanzielle Schwierigkeiten geraten sind.

Europäische Energie-Union als wichtiges strategisches Element

Glaubt man Claudia Kemfert, so steht Griechenland im Moment auch energiepolitisch an einem Scheideweg. Da Russland eine neue Gaspipeline durch die Türkei bauen will um Europa noch stärker energiepolitisch zu binden könnte Griechenland, als direkter Nachbar der Türkei, eine wichtige strategische Rolle einnehmen. Als Teil einer europäischen Energie-Union, wie sie langfristig vorgesehen ist, würde Griechenland die direkte Grenze zum russischen Einflussgebiet darstellen. Ziel der Union ist es, dass die europäischen Länder allesamt zusammenarbeiten um eine unabhängige Energieversorgung aufzubauen. Dadurch wäre Europa erstmal vollkommen unabhängig von russischen oder arabischen Energierohstoffen, was geopolitische Konflikte entschärfen kann. Mit einem Umbau der eigenen Energiewirtschaft würde Griechenland daher auch ein Zeichen für die europäische Gemeinschaft setzen, so Kemfert. Davon würden sowohl Griechenland selbst als auch die Europäische Gemeinschaft profitieren. Vielleicht ist dies ja ein möglicher Weg: Die Schuldenkrise mit erneuerbaren Energien bekämpfen.

 


Comments are closed.