Elektromobilität: Unterstützung durch die Bundesregierung?

Daniel Reissmann 9. Juni 2015 0


Trotz aller bisherigen Bemühungen, kommt die Elektromobilität in Deutschland nicht so richtig in Fahrt. Mit dem Programm „Schaufenster Elektromobilität“ hatte die Bundesregierung schon vor einigen Jahren dafür gesorgt, dass die Elektromobilität finanziell gepusht wird und somit Forschung, Entwicklung, Innovation aber auch die Markttauglichkeit der E-Mobility vorangetrieben wird. Heute hat beinahe jeder namhafte Automobilhersteller auch einige Elektrofahrzeuge im Sortiment, dazu kommen die Plug-In Hybride wie der BMW i8, der allerdings eher in das Luxussegment fällt. Massentauglicher wäre da eigentlich der BMW i3, möge man meinen. Doch auch die Mittelklasse-Modelle verkaufen sich bislang nur schleppend. Grund ist, dass diese, obwohl die Preise bereits gesunken sind, momentan immer noch weitaus teurer sind als ihre konventionellen Pendants. Liebhaber kaufen trotzdem, Otto-Normalverbraucher allerdings nicht.

© Petair - Fotolia.com

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Brandbrief an Finanzminister Schäuble

Die einstig angestrebte Marke von einer Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen bis 2020 rückt in immer weitere Ferne. Die aktuellen Zulassungszahlen lassen zudem wenig Hoffnung aufkommen. Im April wurden beispielsweise lediglich 684 reine Stromer zugelassen, beinahe ein Viertel weniger als noch im März. Die Kauflaune scheint zu sinken. Das spüren auch die Hersteller, was dazu führen könnte, dass der ein oder andere Automobilkonzern seine E-Serie wieder einstampft. Bundespolitisch will man so ein Szenario mit allen Mitteln verhindern, weshalb eine Gruppe von 14 Bundestagsabgeordneten nun einen Brief an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gerichtet hat. Darin ist zu lesen, dass Firmen die E-Autos anschaffen durch Steuervergünstigungen einen zusätzlichen Anreiz erhalten sollen. Im ersten Jahr nach der Anschaffung sollen die Unternehmen die Möglichkeit bekommen die Hälfte des Kaufpreises beim Finanzamt in Form von Abschreibungen steuerlich geltend zu machen.

Mindereinnahmen für den Bundesfinanzhaushalt

Mit einem derartigen Anreizmechanismus müsste der Bund mit Mindereinnahmen von 200 Millionen Euro rechnen. Bereits die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE), ein hochkarätig besetztes Beratungsgremien, hatte einen derartigen Vorschlag gebracht. Daher, dass Firmenflotten und Dienstwagen rund zwei Drittel des Neuwagenmarktes ausmachen vermuten die Experten, dass dadurch ein Aufschwung in diesem Segment eintreten könnte. Damit würden die Stückzahlen der Produzenten steigen, was wiederrum den Preis senkt. Letztlich könnten die E-Autos in Preisregionen kommen, in denen sie mit den konventionellen Fahrzeugen konkurrenzfähig sind. Um auch das Reichweitenproblem zu lösen, das insbesondere für reine Elektrofahrzeuge ein erhebliches Akzeptanzproblem darstellt, fordert die NPE auch Investitionen in den Ausbau der Ladeinfrastruktur und die Forschung und Entwicklung.

Milliardenpaket zur Förderung der E-Mobility?

All diese Forderungen sind noch nicht beschlossen. Trotzdem verkündeten neueste Meldungen bereits, dass die Bundesregierung ein entsprechendes Paket plane. Insgesamt sollen drei Milliarden Euro für die genannten Sonderabschreibungen, Forschungsprojekte und weitere infrastrukturelle Vorhaben veranschlagt werden. Um das ambitionierte Ziel von einer Million Elektrofahrzeugen bis 2020 zu erreichen, ist eine derartige Initiative durchaus sinnvoll, denn momentan ist man mit rund 24.000 zugelassenen E-Fahrzeugen noch weit von dieser Marke entfernt. Experten sehen die geplanten Maßnahmen allerdings skeptisch. Benjamin Franke vom Bundesverband Elektromobilität e. V. erklärte beispielsweise in einem Interview mit IWR Online, dass ein Fokus auf den Ausbau der Ladeinfrastruktur „dringend notwendig“ ist. Verwundert über das möglicherweise kommende Paket ist Franke dagegen nicht, er meinte das die genannten Eckpunkte das sind, was man „minimal erwartet“ habe.


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