Elektromobilität: Branche der künftigen Generation

Daniel Reissmann 20. März 2015 0


Sich der Entwicklung entgegenzustellen war noch nie eine gute Idee. Als die ersten Computer auf den Markt drängten waren viele davon überzeugt, dass die großen Kästen niemals außerhalb von Bürogebäuden oder Laboren Anwendung finden werden. Ähnlich war es beim Internet, bei welchem sich zur Anfangszeit niemals einer hätte vorstellen können, welche Bedeutung es in Zukunft haben wird. Auch heute gibt es viele innovative Entwicklungen und viele Menschen sträuben sich dagegen. Doch einige kreative Köpfe sehen in den zukunftsweisenden Technologien ihre Chance und versuchen diese zu nutzen. Genau diese Menschen fokussiert der Drive-E-Studienpreis welcher Mitte März verliehen wurde.

© Petair - Fotolia.com

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Deutschland mit großen Zielen bei der E-Mobilität

Der Preis fokussiert eine Technologie, die die Bundesregierung gern gefördert sieht. Bis 2020 so der Plan, sollen eine Million Elektroautos und Hybride auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Doch insbesondere E-Autos werden skeptisch betrachtet und so will der Verkauf der Stromer nicht so recht in Fahrt kommen. Viele Verbraucher sind wenig flexibel, wenn es um das Auto geht. So ist kaum einer bereit auf bestehende Gewohnheiten beim Autofahren zu verzichten, das wäre aber in diesem Stadium der technologischen Entwicklung im Bereich E-Mobilität notwendig. Abgesehen von den innovativen Verbrauchern, die einfach an der neuartigen Technologie interessiert sind, lassen sich viele bereits bei der ersten Hürde abschrecken, dem Preis. So kostet ein E-Golf aktuell noch rund 10.000 Euro mehr als sein fossiles Pendant. Eine zuletzt erschienen Studie zeigte allerdings, dass bereits 2018 ein deutlich wettbewerbsfähigerer Preis in diesem Modellsegment möglich ist.

Verbraucher-Hemmnissen der E-Mobilität aktuell noch sehr hoch

Wer sich vom Preis nicht beeindrucken lässt, könnte allerdings bei der Reichweite der meisten Stromer ins Grübeln geraten. Bei E-Golf liegt diese zwischen 130 und 190 Kilometern, was einem relativ guten Durchschnittswert entspricht. Die höchsten Reichweiten erreichen Modelle von Tesla, etwa der Tesla Model S mit rund 480 Kilometern. Doch die Tesla Modelle bewegen sich wiederrum meist in einer Preiskategorie, die für den Ottonormal-Verbraucher kaum erschwinglich ist. Also zurück zum E-Golf. Mit seiner Reichweite ist er für viele unattraktiv, da er für längere Strecken nicht geeignet ist und die aktuelle Ladeinfrastruktur in Deutschland kaum ausreichend ist um mit herkömmlichen Tankstellen zu konkurrieren. Mit 4800 Ladepunkten an 2400 Standorten ist die deutsche Ladeinfrastruktur durchschnittlich gut ausgebaut, allerdings, insbesondere in ländlicheren Regionen, bei weitem nicht so, dass man beruhigt mit dem Stromer durch Deutschland fahren kann. Die Routen müssen zuvor genau geplant sein, ansonsten wird es schwierig einen der unscheinbaren Ladepunkte zu finden.

Ziel der Bundesregierung ist noch weit entfernt

Die ungenügenden Bedingungen der Elektromobilität sowohl preislich, infrastrukturell als auch technisch zeigen sich in einem auffallenden Resultat, der Nachfrage. Die Autos werden kaum gekauft, sodass aktuell rund 19.000 reine Elektroautos und 108.000 Hybride auf deutschen Straßen zu Hause sind. Innerhalb von gut 5 Jahren daraus eine Million zu machen wird eine Mammutaufgabe und scheint kaum erreichbar. Doch die Branche ist innovativ, was sich auch beim Drive-E-Studienpreis 2015 zeigte.

Wissenschaftler tüfteln an Innovationen

Mit dem Preis werden Nachwuchswissenschaftler für innovative Ideen im Bereich Elektromobilität ausgezeichnet. “Innovationen im Automobilbau werden fest mit Deutschland verbunden und die Elektromobilität gehört klar dazu. Für künftige Nachwuchskräfte bietet die Drive-E-Akademie großartige Einblicke in diese Zukunftsbranche”, resümiert Stefan Müller, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Bildung und Forschung der unter anderem den Preis verlieh. In der ersten Kategorie, welche sich an Studien- Projekt- und Bachelorarbeiten richtet, gewann Takashi Maximilian Beheim von der Technischen Universität München. Mit seiner Bachelorarbeit zum Thema “Betriebsstrategie-Optimierung für die Drehstrom-Asynchronmaschine als Fahrzeugantrieb” leistete der Student einen wichtigen Beitrag dazu, in Zukunft die Reichweiten von E-Fahrzeugen bei unveränderter Batteriekapazität signifikant zu erhöhen.

Preis für intelligente Routenführung

Der Preis in der zweiten Kategorie, die sich an Diplom- Magister- und Masterarbeiten richtet, gewann Max Falk von der Technischen Universität Dresden. Er betrachtete, wie man durch die Ausnutzung günstiger Verkehrssituationen den Energiebedarf eines E-Fahrzeugs reduzieren kann. Die Daten dazu, bezieht die Technologie aus einem Verkehrsleitsystem. “Die Jury hat sich für Max Falk entschieden, da seine Arbeit einen sehr wichtigen zukunftsträchtigen Aspekt berücksichtigt und wir vom Innovationspotenzial begeistert sind.”, so Stefan Müller vom BMBF. Es zeigt sich, dass die E-Mobilität durchaus noch einige Baustellen hat. Dennoch gibt es immer wieder innovative Ideen mit denen die aktuellen Hürden künftig überwunden werden können. Mit etwas Glück kann das Ziel der Bundesregierung für 2020 also doch noch erreicht werden.


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