Die Strompreis-Debatte: Woran liegt der Preisanstieg?

Daniel Reissmann 8. Oktober 2013 0


Das eine Umstrukturierung im Sinne einer erneuten Reform des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) notwendig ist, darüber sind sich die relevanten Akteure der Energiewirtschaft weitgehend einig. Vor allem die fatalen Konstruktionsfehler im EEG-Kostenumlagemechanismus führen zu einem paradoxen Energiemarkt, der Signale des Börsenpreises nicht mehr an den Verbraucher weiter gibt. Das Ergebnis dieses Preisverhaltens ist weithin bekannt, denn während der Preis an der Strombörse EEX beinahe unaufhörlich sinkt, so zeigt sich beim Stromverbraucher das Gegenteil. Dieser steigt nämlich seit geraumer Zeit und macht eine EEG-Reform daher unabdingbar sofern man will, dass Strom für die Mehrheit der Bevölkerung nicht zu einem Luxusgut verkommt.

Energiewende

Wo liegen die Problempunkte?

Vereinfacht ausgedrückt wird das Preisparadoxon scheinbar durch die EEG-Umlage verursacht. Im Zuge der Wirtschaftskrise und durch den Strommarkt-typischen Merit-Order Effekt, sanken die Börsenpreise in jüngster Vergangenheit stärker als prognostiziert. Die Konstrukteure des EEG haben eine derartige Strompreissenkung offensichtlich nicht in ihre Überlegungen einbezogen. Denn auch wenn die Börsenpreise sinken, ist laut EEG eine Refinanzierbarkeit erneuerbaren Stroms zu gewährleisten. Die Differenz muss daher durch fixe Einspeisetarife gedeckt werden. Zudem wurde bei der letzten EEG Reform im Jahr 2012 die Berechnungsgrundlage der EEG-Umlage geändert, sodass diese das Paradoxon noch verstärkt. Doch liegt der Verbraucherpreisanstieg wirklich fast ausschließlich an der EEG-Umlage?

Ist es wirklich nur die Ökostromumlage?

Zahlreiche Studien haben nachgewiesen, dass ohne die Reform der Berechnungsgrundlage für die EEG-Umlage, eine Senkung dieser im Jahr 2011 eingetreten wäre. Offensichtlich unterliegt die EEG-Umlage daher zahlreichen verzerrenden und auf den ersten Blick nicht erkennbaren Faktoren. Zum Beispiel ist auch die Befreiung vieler energieintensiver Unternehmen von der Umlage in diesem Zusammenhang zu nennen. Das Öko-Institut hat daher den sogenannten Energiewende-Kosten-Index entwickelt. Dieser bereinigt die EEG-Umlage von den verzerrenden Effekten und bezieht Umlage-fremde Kostenfaktoren mit ein. Nach diesem Berechnungsinstrument beruht in etwa die Hälfte des Strompreiszuwachses von 2003 bis 2012 auf industriepolitischen Umverteilungseffekten und gestiegenen Brennstoffpreisen. So empfiehlt das Öko-Institut diese Kostenfaktoren in eine kommende EEG-Reform zu integrieren. So lassen sich erneute Konstruktionsfehler minimieren oder gar verhindern.


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