Die Einseitigkeit der Energiewende

Daniel Reissmann 27. Januar 2014 0


Wenn in der Öffentlichkeit von der Energiewende gesprochen wird, so ist damit fast ausschließlich der Stromsektor gemeint. Die zwei anderen wichtigen Bereiche der Energiewirtschaft, nämlich die Wärmeversorgung und der Kraftstoffsektor werden eher selten in Debatten in Bezug auf die Energiewende priorisiert. Dabei zeigt vor allem der Wärmesektor ein sehr hohes Potential, denn im Gegensatz zur Stromerzeugung stagniert die Umstellung auf erneuerbare Energien im Wärmebereich seit geraumer Zeit.

© il-fede - Fotolia.com

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Mehr als die Hälfte des deutschen Energieverbrauchs verursachen Wärmeanwendungen

Die Dimension der „Wärmewende“ ist enorm und daher nicht zu ignorieren. Denn über die Hälfte des bundesdeutschen Endenergieverbrauchs sind auf Wärmeanwendungen zurück zu führen. Trotzdem werden gerade einmal 10 Prozent der Wärmeversorgung durch regenerative Energien gedeckt. Dr. Roger Corradini, Projektmanager bei der Forschungsstelle für Energiewirtschaft hat sich in seiner Dissertation mit dem Phänomen der unterschätzen „Wärmewende“ beschäftigt. Er sagt dazu: „Es sind einige Anstrengungen unternommen worden und auch schon wesentliche Weichen gestellt. Regenerative Strom-Anteile von knapp einem Viertel sind erfreulich und begrüßenswert – dennoch müssen zusätzlich im Verkehrssektor und vor allem im dominierenden Wärmesektor beschleunigt Maßnahmen ergriffen werden, um von einer energiepolitischen Vorreiterrolle Deutschlands sprechen zu können“.  Seine Arbeit beschäftigte sich vor allem mit der Wärmebereitstellung im Gebäudebestand. Dieser macht 80 Prozent der Bauten in Deutschland aus, weswegen Corradini zu folgendem Schluss kommt: „Ausschließlich auf den energieeffizienten Neubau zu setzen wäre kurzsichtig, da aufgrund der geringen Neubau- und Modernisierungsrate von weniger als 1 Prozent jährlich die Einsparungen viel zu langsam erfolgen würden“. Deshalb sieht es Corradini als unabdingbar an, zeitnah den Gebäudebestand zu modernisieren, beispielsweise über Solarthermie oder Dämmungen. Der Physiker geht davon aus, dass 10 bis 20 Quadratmeter Kollektorfläche für das durchschnittliche deutsche Bestandsgebäude ausreichen. Dafür sei seiner Ansicht nach noch genügend Platz auf den Dächern.


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