Die Deutschen und das Elektroauto – Skepsis überwiegt

Daniel Reissmann 22. Dezember 2014 0


2020 sollen eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. So will es zumindest die Bundesregierung, die für verschiedene Projekte im Bereich der Elektromobilität milliardenschwere Subventionen bereitstellt. Sogar ein eigenes Elektromobilitätsgesetz wurde im September 2014 beschlossen, weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit. Die Deutschen tun sich schwer mit der alternativen Mobilität und strafen die Thematik entweder mit weitgehender Desinteresse oder harscher Kritik. Dieses Verhalten ist durchaus nachvollziehbar, denn alles was den Deutschen liebstes Kind, das Auto, betrifft, wird mit Argwohn betrachtet. Das fängt beim Sprit an und hört eben beim E-Auto auf. Schon die allmähliche Umstellung des Kraftstoffs an Tankstellen auf Bioethanol hat für eine vehemente Debatte gesorgt. Wie soll es also schaffbar werden, die Deutschen künftig davon zu überzeugen völlig spritfrei zu fahren? Hier ist ein gesellschaftlicher Konsens wichtig, denn ansonsten wird die deutsche Automobilindustrie ihren jetzigen Status künftig verlieren.

© Petair - Fotolia.com

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Die Technik für den kaum bestehenden Markt

Schwermut ist der Begriff, der einem bei der deutschen Elektromobilität am ehesten in den Sinn kommt. Es gibt Programme, Projekte, Forschung und Technologien aber keinen wirklichen Markt für die Elektromobilität. Und da liegt das Problem, alle Bemühungen in diesem Bereich, sei es durch die Politik, Verbände oder die Industrie selbst, bewegen sich wie durch Treibsand. Gesellschaftlichen Treibsand, der durch die allgemeine Skepsis des deutschen Verbrauchers genährt wird. Es stellen sich Fragen nach Reichweite, Ladezyklen und nicht zuletzt Kosten für das E-Auto. Alles wird hinterfragt, teils zu Recht, teils zu Unrecht, da es die Technologien bereits gibt. Beispielsweise sind Reichweiten von bis zu 500 Kilometern heute technisch realisierbar, und sei es mit einem sogenannten „Range Extender“. Auch eine Auswahl existiert, so bietet BMW den i3 an, Audi den sogenannten e-Tron und Volkswagen den e-Golf. Die Fahrzeuge befinden sich mittlerweile auch in einem Preissegment, was durchaus bezahlbar ist, wobei die Hochtechnologie selbstverständlich teurer ist, als die konventionellen Fahrzeuge.

Einige First-Mover, viele Zurückhaltende

Etwa 24.000 Elektroautos sind momentan bundesweit unterwegs. Um die eine Million zu knacken, muss die Nachfrage rasant steigen, denn es sind nur noch fünf Jahre bis 2020. Abgesehen von den Ersten auf dem Markt, den sogenannten „First-Movern“, den Innovativen, welche die neuen Technologien ausprobieren wollen, herrscht weitgehend Zurückhaltung. Der durchschnittliche Deutsche verweigert sich der neuen Technologie und bleibt beim Altbewährten. Deshalb fragt sich auch die Industrie: Lohnt sich dieser Markt? Soll man in diese Branche vordringen oder bleibt man, wie der Verbraucher, beim Altbewährten? Für die Politik ist die Antwort klar: Deutschland muss in der Elektromobilitätsbranche eine weltweit führende Rolle einnehmen. Dafür sind die Subventionen und Programme da, welche durchaus funktionieren. So ist es fraglich, ob die Autohersteller auch ohne die Programme der Bundesregierung E-Auto Modelle auf dem Markt gebracht hätten, beziehungsweise ob es so schnell gegangen wäre?

Der Markt muss erst wachsen

Eines ist sicher, auf Ewig kann der Staat die Branche nicht subventionieren. Es ist ähnlich wie beim EEG, denn auch hier muss irgendwann ein funktionierender und refinanzierender Markt entstehen. Gefährlich wird es dann, wenn ausländische Anbieter den deutschen Herstellern den Rang ablaufen. Tesla Motors ist so ein gefährlicher Konkurrent. Will Deutschland seinen weltweiten Rang in Sachen Automobilindustrie behalten, müssen auch zukunftsträchtige Themenfelder bearbeitet werden. Und welches Themenfeld ist gerade zukunftsträchtiger als die Elektromobilität? Auch wenn der Markt momentan noch Startschwierigkeiten hat, so wird es früher oder später das gesellschaftliche Umdenken geben, welches die Nachfrage anfacht. Auch als die ersten Verbrenner auf den Markt kamen, gab es nur eine zurückhaltende Nachfrage. Damals vor allem preisbedingt, war doch eine Pferdekutsche wesentlich günstiger. Doch die Entwicklung nahm trotzdem ihren Lauf, was sie auch diesmal tun wird. Der technologische Wandel bringt immer Hemmschwellen mit sich, die es zu überwinden gilt. Doch ist dies erst einmal geschafft, eröffnen sich große Chancen: wirtschaftlich, technologisch und gesellschaftlich.


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