Deutschlands Offshore-Pläne: Vom Winde verweht


Bau von Offshore-Windparks soll verlangsamt werden.

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Den meisten von Ihnen dürfte der Begriff Offshore sicherlich etwas sagen, wobei man heutzutage aufgrund der jüngeren Berichterstattung nochmals darauf hinweisen sollte, dass wir Offshore Windparks und nicht Konten meinen ;) Die Bezeichnung Offshore wird in der Energielandschaft für Windparks verwendet die sich auf der See bzw. vor der Küste befinden. Dort wird der kontinuierlich auftretende Wind zur nachhaltigen Stromerzeugung genutzt.

Die Windenergie soll den Vorstellungen der Politik nach mit einem Anteil von rund 50% eine entscheidende Rolle innerhalb der Energiewende spielen und damit auch an der deutschen Stromerzeugung im Jahr 2050. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen bedarf es jedoch eines massiven Ausbaus der Windkraftkapazitäten, sowohl zu Land (Onshore) als auch zu Wasser (Offshore). Experten rechnen mit ca. 45 GW bis 2020 und 85 GW bis 2050, stand heute haben wir ca. 30 GW installierte Wind-Leistung in Deutschland.

Die Offshore Windenergie soll dabei eine ganz wesentliche Rolle einnehmen, zum einem weil sich die Kapazitäten auf dem Land langsam aber sich dem Ende zuneigen und zum anderen weil die Offshore Windenergie erheblich größere Potenziale birgt als alle anderen Erneuerbaren Energien in Deutschland zusammen.

Offshore ist innovativ aber teuer

Im Grunde genommen verfügt die Offshore Windenergie auch über all jene Voraussetzungen die man an sie stellt um als Motor der Energiewende zu agieren. Sie ist innovativ, technisch umsetzbar, sie weckt das Interesse von Unternehmen und Investoren und vor allem hat sie ein immenses Potenzial. Studien zu Folge können allein in der Nordsee bis zum Jahr 2030 Offshore-Anlagen mit einer Leistung von bis zu 135 MW installiert werden, dies entspricht ca. 100 Kern- bzw. modernen Kohlekraftwerken. Rein theoretisch ließe sich damit auch der gesamte Energieverbrauch in Deutschland abdecken.

Dies klingt alles zu schön um wahr zu sein? Ist es leider auch, denn ein Manko hat die Offshore Windenergie, sie ist teuer, richtig teuer. Im Durchschnitt kostet derzeit ein installiertes MW rd. 3 Mio. Euro, je nach Größenordnung des Windparks kommt man schnell auf ein Investitionsvolumen von 1,5 bis 2 Milliarden Euro. Offshore-Befürworter würden jetzt, zu Recht, behaupten dass ein Kern- bzw. Kohlekraftwerk nicht günstiger sei, vor allem wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass ein „Offshore-Kraftwerk“ im späteren Betrieb keinen weiteren Brennstoff wie Kohle oder Brennelemente benötigt. Doch dafür benötigen die Windparks auf See auch eine Verbindung zum Festland (Netz-Infrastruktur), denn dort wird schließlich der erzeugte Strom benötigt. Darüber hinaus ist der Offshore-Ausbau grundsätzlich technisch möglich, aber die Erfahrungskurve mit der eingesetzten Technik hält sich noch in Grenzen um oben genannte Summen in solche Projekte zu investieren.

Das Henne-Ei-Problem

Doch nicht nur die hohen Kosten und die mangelnde Erfahrung mit der Offshore Windenergie haben dafür gesorgt, dass der erhoffte Boom in Deutschland ausgeblieben ist, auch die (politischen) Rahmenbedingungen sorgen für zusätzliche Unsicherheit.

Lange Zeit herrschte das sog. Henne-Ei-Problem bei der Offshore Windenergie in Deutschland. Die Investoren bzw. Unternehmen wollten keine Windparks auf der See bauen solange sie keine verbindliche Zusage vom Netzbetreiber hatten, dass zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Netzanschluss steht. Die Netzbetreiber wollten wiederrum keine Verbindungen bauen, solange die Unternehmen nicht verbindliche Entscheidungen bezüglich des Baus getroffen haben. Und da es sich hierbei auf beiden Seiten um immense Investitionsvolumen handelt, war niemand bereit den ersten Schritt zu wagen. Letztendlich musste (mal wieder) die Politik einschreiten.

Im Juni 2012 haben der Bundeswirtschaftsminister und der Bundesumweltminister Eckpunkte einer gesetzlichen Haftungsregelung präsentiert und dabei auch einen Systemwechsel bei der Regelung der Offshore-Netzanbindungen angekündigt. Ende letzten Jahres wurde auch ein entsprechender Gesetzentwurf verabschiedet. Die Verantwortlichen erhoffen sich davon, dass das Gesetz bestehende Hindernisse beseitigt, die Realisierung weiterer Netzanschlüsse ermöglicht und damit zu verlässlichen Rahmenbedingungen für weitere Offshore-Windpark-Projekte beitragen kann. Der Kern dieses Gesetzes ist eine sog. Haftungsübernahme bei einem verspäteten Netzanschluss, d.h. steht der fertige Windpark auf der See ist jedoch nicht ans Netz angeschlossen und damit nicht in der Lage seine gesetzlich vorgegebene Einspeisevergütung per Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) zu erhalten, werden die Windpark-Betreiber entschädigt. Diese Entschädigungen werden dann erneut über die sog. EEG-Umlage an die Endverbraucher weitergereicht.

Doch kaum ist das eine Problem gelöst steht gleich das nächste an und dieses ist auch noch hausgemacht. Mit der konstant steigenden EEG-Umlage wurde die Kritik in Deutschland an dem bestehenden Förderregime für Erneuerbare Energien immer größer. Die Politik in Form von Bundesumweltminister Peter Altmaier sah sich gezwungen zu reagieren und so hat dieser gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler angeregt das EEG in Deutschland zeitnah grundlegend zu reformieren. Ziel ist es die Kostenentwicklung in den Griff zu bekommen und dies wiederrum bedeutet dass die Förderung einzelner Technologie gekürzt werden soll, unter anderem auch bei der Offshore Windenergie. Allein diese Reform-Ankündigung und die Tatsache dass vor den Bundestagswahlen dieses Jahr im Spätsommer wohl kaum ein Gesetzesentwurf im Bundestag verabschiedet wird, hat bereits mehrere Unternehmen dazu gebracht ihre Offshore-Pläne vorrübergehend auf Eis zu legen, d.h. es werden solange keinerlei weiteren Investitionen mehr getätigt solange keine Sicherheit bei den Rahmenbedingungen herrscht.

All diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass wir anstatt einer geplanten installierten Leistung von rd. 2 GW in deutschen Hoheitsgewässern derzeit gerade einmal 92 MW vorweisen können.