Der Mix macht es aus – Fraunhofer IWES testet regenerative Vollversorgung an Kombikraftwerk

Daniel Reissmann 15. September 2014 0


Die Ungleichmäßigkeiten bei Sonneneinstrahlung und Windhöffigkeit sind für Kritiker der erneuerbaren Energien immer wieder ein beliebtestes Argument gegen die regenerative Vollversorgung. Aufgrund der häufigen Fluktuationen wichtiger erneuerbaren Energiequellen wie Wind- und Solarenergie ist eine Versorgung, die vollends auf regenerativen Energien basiert, nicht möglich, da immer konventionelle Kraftwerke als Back-Up zur Sicherung der Versorgungssicherheit und Netzstabilität vorhanden sein müssen, so die Argumentation. Doch ist das wirklich so? Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) in Kassel sind dieser Frage nachgegangen. Ihre Idee ist, durch eine intelligente Kombination aus verschiedenen regenerativen Kraftwerken und Speichern ein virtuelles Kombikraftwerk zu erschaffen, welches die Fluktuationen abdecken kann.

© jonasginter - Fotolia.com

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Steuerung durch digitale Schaltzentrale

Die Idee des Kombikraftwerks ist so einfach wie genial. Durch eine Schaltzentrale mit leistungsfähigen Computern ließen sich verschiedene regenerative Kraftwerke, weitflächig über Deutschland verteilt, verbinden. Durch eine zusätzliche Integration von Speichern steigt der Handlungsspielraum in der Schaltzentrale zudem. Kommt es nun zu einzelnen Windflauten oder Schattenzeiten können die Kraftwerke, die davon nicht betroffen sind, über das Kombikraftwerk zu Regelung beitragen. Daher, dass es fast ausgeschlossen ist das in ganz Deutschland kein Wind weht beziehungsweise nirgends die Sonne scheint, lässt sich durch eine intelligente Regelung örtlichen Fluktuationen begegnen. Im Worst Case können zudem noch Speicher und Biogasanlagen helfen. Dies war die Idee des ersten Kombikraftwerks am IWES. Mit dem aktuellen Kombikraftwerk II will man nun noch einen Schritt weitergehen. „Wir wollten uns nun einer neuen Herausforderung stellen und detailliert die Versorgungssicherheit einer rein auf erneuerbaren Energiequellen basierenden Stromerzeugung untersuchen“, so Kurt Rohrig, stellvertretender Institutsleiter am IWES. Über eine Simulation auf Basis detaillierter Daten zu Verbrauch, Wetter, räumlicher und zeitlicher Verteilung ließ sich ein Szenario entwickeln mit welchem wichtige Informationen zum Bedarf an Systemdienstleistungen, Systemstabilität und Ausbau des Netzes auf Basis des Kombikraftwerks gewonnen wurden. “Langfristig können wir auf fossile und nukleare Energiequellen in der Stromerzeugung gut verzichten”, so die Einschätzung von Kaspar Knorr, Projektleiter am IWES.


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