Das Wetter und die Energieerzeugung

Daniel Reissmann 12. Januar 2015 0


Ob es draußen regnet, schneit oder ob die Sonne scheint spielt für die Energieerzeugung eines Kohle- oder Gaskraftwerks keine Rolle. Die Umwandlung des fossilen Brennstoffs in Energie lässt sich von schlechtem Wetter nicht beeinflussen. Das sorgt für Stabilität in der Energiebereitstellung, die vor allem in Schlechtwetterperioden wichtig ist, denn wer möchte im Winter schon gern mit permanenten Stromausfällen leben müssen? Eines ist klar, auch wenn Kapazitätsmärkte fossile Back-Up Lösungen vorsehen, so wird der Anteil konventioneller Kraftwerke künftig rapide abnehmen. Wie wird die Energiebereitstellung bei unpassendem Wetter gewährleistet? Denn im Gegensatz zu konventionellen Kraftwerken sind Wind- und Solarkraftwerke durch das Wetter sehr stark beeinflusst.

© visdia - Fotolia.com

© visdia – Fotolia.com

Neue Prognosemethoden für die Wettervorhersage

Neben den bekannten Maßnahmen zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit in einer Regenerativwirtschaft, wie Smart-Grids, Kapazitätsmechanismen, flexiblen erneuerbaren Energien oder Speichertechnologien, werden auch detaillierte Wettervorhersagen in Zukunft eine wichtige Rolle für die Energiewirtschaft spielen. Laut einem kürzlich veröffentlichten Artikel in der WELT werden die Wetterprognosen künftig so genau sein, dass sogar das Wetter für einzelne Straßenabschnitte vorhergesagt werden kann. Grundlage dieser neuen Prognosemöglichkeit ist das Smartphone, welches durch High-Tech Sensoren erweitert werden soll. Diese messen Temperatur und Feuchtigkeit in der Umgebung des Nutzers und senden diese Daten an einen Zentralrechner. Damit würden die Wetterdienste über ein Netzwerk aus vielen kleinen Wetterstationen verfügen, auf dessen Grundlage sich viel detailliertere Vorhersagen zum Wetter machen lassen als momentan. Abgerundet wird die technologische Vision durch neue und leistungsfähigere Wettersatelliten, welche die großen Datenmengen sammeln und weiterleiten. Zudem sollen diese Satelliten in der Lage sein genauestens in Wolkenformationen zu blicken um zu erfassen, welche Prozesse dort ablaufen und was dies für das kommende Wetter bedeutet.

Wert der Wetterprognosen wird künftig für die Energiewirtschaft zunehmen

Für die Energiewirtschaft werden genaue Wetterprognosen in Zukunft ein sehr wichtiger Input für das Lastmanagement von Kapazitätskraftwerken sein. Denn anhand der Daten lässt sich herausfinden, wann genügend Wind oder Sonne vorhanden ist, um mit den regenerativen Kraftwerken zu arbeiten beziehungsweise ob bereits ein konventionelles Back-Up hochgefahren werden muss. Energieversorger sparen dadurch Kosten für das Hoch- und Herunterfahren konventioneller Kraftwerke und die Volkswirtschaft spart fossile Ressourcen, da bei genaueren Prognosen auch öfter die erneuerbaren Energien zum Einsatz kommen. Neben den großen Energieversorgern kann auch der einzelne Haushalt über Smart-Home Komponenten profitieren, beispielsweise dann, wenn sich die Heizung entsprechend der Wetterprognose selbst reguliert.

Einfluss des Wetters auf die Energieerzeugung steigt kontinuierlich 

Schon jetzt steuern die erneuerbaren Energien den meisten Strom für Deutschlands Verbraucher bei. 2014 haben die Regenerativenergien erstmals die Braunkohle überholt. Auch wenn diese Entwicklung durchaus erfreulich ist, so offenbaren die Daten des letzten Jahres die große Herausforderung dieses Trends. Die Stromerzeugung aus Wasser- Wind- Solar- und Bioenergie deckte zum 11. Mai 2014 rund 80 Prozent des deutschen Strombedarfs, am 12. November, fast genau ein halbes Jahr später, waren es lediglich zehn Prozent. Hauptgrund dafür sind Wetterschwankungen, vor allem beeinflussen diese die Solar- und Windenergieerzeugung. Während in den Sommer- und Frühsommermonaten mit reichlich Sonne gerechnet werden kann, muss man im Herbst und Winter meistens auf Sonnenstunden verzichten. Gerade in der dunklen Jahreszeit stellt dies ein Problem dar, da in dieser Periode die meiste Energie benötigt wird, sei es durch Heizen oder Licht.

Wetterprognosen wichtig, aber nicht der einzige Indikator

Auch wenn künftige Prognosen das Wetter genauer und zeitnaher prognostizieren können, wird sich an der jahreszeitlich bedingten Krux nichts ändern. Im Winter wird auch unter verbesserten Wetterprognosen weniger Sonnenenergie zur Verfügung stehen. Gerade deswegen ist der Mix aus verschiedenen Maßnahmen zur Versorgungssicherheit sehr wichtig. Detaillierte Wettervorhersagen sind davon ein Bestandteil. Allerdings sind auch konventionelle Back-Up-Kraftwerke ein wesentlicher Faktor, da diese in Phasen ungeeigneten Wetters zur regenerativen Energieerzeugung für ausreichend Energie sorgen können. Daher, dass sich viele konventionelle Kraftwerke unter dem sehr niedrigen momentanen Börsenpreis nicht mehr refinanzieren können, werden viele von diesen abgeschaltet. Problematisch ist, dass darunter zwangsläufig auch die Versorgungssicherheit leidet, auch wenn die Treibhausgasbilanz profitiert. Durch Kapazitätsmärkte müssen die Energieversorger daher die Möglichkeit bekommen einige Back-Up-Kraftwerke rentabel weiter betreiben zu können.

Vielseitigkeit als Schlüssle zum Erfolg

Letztlich ist es der Mix aus verschiedenen Maßnahmen und Technologien der die Energiewende zum Erfolg führen kann. Dabei sind die Kompetenzen von Experten verschiedenster Disziplinen gefragt, ob Ingenieure, Ökonomen, Politiker oder eben Meteorologen.


Comments are closed.