Das Energiesystem der Zukunft: Meteorologie als neues Systemelement

Daniel Reissmann 9. Oktober 2013 0


Jeder kennt es aus dem Alltag. Man drückt auf den Lichtschalter, stellt die Kaffeemaschine an oder schaltet den Fernseher ein und der Strom fließt. In Deutschland sind flächendeckende Stromausfälle sehr selten, weshalb sich die Bevölkerung an eine versorgungssichere Energiewirtschaft gewöhnt hat. In einer Industriegesellschaft wie Deutschland ist dauerhaft verfügbare Elektrizität die Norm und zudem wichtig für die Wohlstandssicherung. Bisher war es auch relativ einfach die Stromnachfrage mit dem Angebot an Strom in Einklang zu bekommen. Grundlastkraftwerke wie Kohlekraftwerke haben für den dauerhaft benötigten Bedarf an Strom gesorgt und für die Spitzenzeiten worden Spitzenlastkraftwerke, wie zum Beispiel Gasturbinenkraftwerke, zugeschaltet. Im zukünftigen Energiesystem wird die Bereitstellung grundlegend anders gestaltet sein, denn die neuen zentralen Säulen sind Solar- und Windkraft. Daraus resultiert ein nicht steuerbares Stromangebot welches durch andere Maßnahmen, mit der Nachfrage in Balance gebracht werden muss. Ein Element was bisher systemfremd war wird nun immer wichtiger für die Energiewirtschaft, verlässliche Wetterprognosen.  

© Marcus Klepper - Fotolia.com

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Falsche Vorhersagen kosten Geld und gefährden die Netzstabilität

Schon jetzt sind verlässliche Prognosen zur Wetterentwicklung wesentlich für Energiehändler und Netzmanager. So existiert inzwischen eine installierte Leistung an Solar- und Windenergie von 65 Gigawatt. So können ungenaue oder gar falsche Vorhersagen enorme energiewirtschaftliche Konsequenzen haben. Wechselhafte Jahreszeiten wie der Herbst sind besonders heikel. Eric Stein, der Chef der Wetterprognose Abteilung beim Energieversorger RWE sagte dazu: „Wenn zum Beispiel bei bombigem Hochdruckwetter und hohem Sonnenstand auch noch eine Warmfront 15.000 Megawatt Wind draufsetzt, dann sind sie schnell bei 35.000 Megawatt Erneuerbaren.“ Bei derartigen Zusatzeinspeisungen stürzen die Preise an den Strombörsen in den Keller, da der Markt bereits gesättigt ist. Zudem leidet das Netz unter dem Stromüberfluss. Um das zu verhindern, muss eine derartige Warmfront vorher weitgehend genau prognostiziert werden. Daher haben die Stromversorger bereits eigene Wetterprognose Abteilungen eigereichtet. Bei RWE kümmern sich momentan sechs Meteorlogen um die Prognosen. Eine Zukunftsbranche, von der in einigen Jahren mitunter auch externe Dienstleister profitieren können.


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