BP Technology Outlook 2015: Wenn ein Ölkonzern seine Geschäftsgrundlage prognostiziert

Daniel Reissmann 4. November 2015 0


Schon zu Beginn der 1970er prognostizierte, der im Auftrag des Club of Rome erstellte, Report „Grenzen des Wachstums“ das Ende des Zeitalters der fossilen Rohstoffe. Mit dem Computermodell World3 errechneten die Forscher um den US-Amerikaner Dennis Meadows, dass die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde bei gleichbleibenden Tendenzen innerhalb der nächsten hundert Jahre erreicht wären. Wesentlicher Bestandteil der Prognose war auch der Faktor Rohstoffverbrauch. Das Ende des Ölzeitalters stand laut dem Club of Rome kurz bevor. Schon damals wurden die Ergebnisse und die Methodik des Berichts vielfach kritisiert. Möglicherweise zurecht? Der neueste Technology Outlook von British Petrol (BP) weist nun darauf hin, dass auch 2050 noch mehr als ausreichend Öl zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stehen wird.

© apops - Fotolia.com

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Mythos oder ernsthafte Prognose?

Dass die Endzeitprognosen des Club of Rome nicht eingetreten lässt sich heut mich ziemlicher Sicherheit bestätigen, denn schon die Entwicklung der letzten rund 50 Jahre ist nicht mit den Prognosen des Reports einhergegangen. Daher veröffentlichten die Autoren bisher bereits zwei Folgestudien, die die Ergebnisse und Folgerungen des ersten Reports allerdings weitgehend bestätigen und das obwohl sowohl das Simulationsmodell als auch die Datengrundlage angepasst wurden. Der letzte Bericht aus dem Jahr 2004 prognostiziert den sogenannten „Kollaps“ für die meisten Szenarien aus das Jahr 2100. Wie unterschiedlich derartige Prognosen seien können zeigt nun allerdings der neusten Technology Outlook des britischen Ölkonzerns BP. Demnach sind, zumindest die Grenzen der Verfügbarkeit fossiler Rohstoffe, noch lang nicht erreicht.

Nutzbare Ölvorräte sind ausreichend vorhanden

BP geht davon aus, dass 2050 theoretisch rund 455 Milliarden Öl-Äquivalent pro Jahr zur Verfügung stehen. Das sind etwa 20 Mal mehr als laut aktuellen Prognosen für dasselbe Jahr gebraucht würde. Kann die Menschheit also weiterhin fossile Ressourcen abbauen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben? Laut BP: Ja. Durch neue Technologien sind noch ausreichend Ressourcen zugänglich, um die Welt auch künftig mit Energie zu decken. Laut den Autoren der Studie sind es vor allem Effizienzgewinne, durch welche es möglich ist die Ressourcen wirtschaftlicher zu nutzen. “Verbesserte Öl-Extraktion, seismische Visualisierung und Digitalisierung werden einen großen Einfluss drauf haben, welche der verfügbaren fossilen Energieträger wir fördern”, schreibt beispielsweise BP-Chef Bob Dudley in der Einführung des Berichts.

Wer hat Recht?

Ist das Ende der fossilen Brennstoffe also ein Mythos? Wahrscheinlich liegt die Wahrheit, wie so oft, in der Mitte. Denn eines ist offensichtlich, ein Ölkonzern wie BP wäre seiner eigenen Geschäftsgrundlage beraubt, wenn die Prognosen des Club of Rome zuträfen und die Menschheit entsprechend schnellstmöglich aufhören müsste fossile Rohstoffe abzubauen. Deshalb könnte man vermuten, dass BP versucht die Gemüter zu beruhigen um somit das eigene Geschäftsmodell nicht ändern zu müssen. Doch was ist wirklich dran an der Prognose? In den letzten Jahren gab es viele ähnliche Studien, beinahe alle kamen zu mehr oder weniger unterschiedlichen Ergebnissen. Auffällig ist, dass Berichte von Wirtschaftsunternehmen und die von Umweltverbänden selten übereinstimmen. Von daher sollte man auch BPs Studie kritisch hinterfragen. Ein Ölkonzern der eine Gegenprognose zum Ende des Ölzeitalters aufstellt tut dies mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht aus wissenschaftlichen Motiven.

BP profitiert von Handlungsempfehlungen des Berichts

Im Report fordert BP auch die Einführung eines Kohlenstoffdioxidpreises. Grundsätzlich nichts schlechtes, wobei man vermuten könnte, dass die Implikation vor allem deswegen getroffen wird um Öl auch künftig konkurrenzfähig gegenüber Gas und Kohle zu halten. Was die Erneuerbaren Energien angeht, so sehen die Autoren des Technology Outlooks vor allem Wind- und Solarenergie sowie Geothermie als Zukunftsenergien. Was lässt sich also schlussfolgern? Durch neue Technologien und Effizienzgewinne werden fossilen Rohstoffe wahrscheinlich noch länger verfügbar sein als in der Vergangenheit vermutet. Der Schiefergasboom hat erst kürzlich gezeigt, was neue Technologien hervorbringen können. Nichtdestotrotz sind Emissionen, Umweltverschmutzungen, Unfälle und Gesundheitsrisiken vor allem bei fossilen Rohstoffen von Relevanz. Deren Kosten für die Allgemeinheit werden im BP Bericht kaum erfasst. Wer Recht hat wird die Zukunft zeigen, um allerdings Gefahren und Risiken zu minimieren ist die sukzessive Abkehr von der fossilen Rohstoffwirtschaft sicherlich nicht unbedingt der falsche Weg.


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