Ambitionierte Grüne: Erneuerbarer Strom bis 2030 zu 100 Prozent?

Daniel Reissmann 23. November 2015 0


Klima- und Umweltschutz sind die Leitthemen der Grünen, auch wenn in letzter Zeit viele andere auf dem Gebiet mitmischen. Beim vergangenen Bundesparteitag der Grünen wurde das Kernthema nun wieder stärker in den Vordergrund gerückt und direkt mit sehr ambitionierten Zielen untermauert.  Bis 2030 soll die deutsche Stromversorgung zu 100 Prozent durch erneuerbare Energien gedeckt werden, so die Zielstellung der Partei. Doch ist dieses Ziel tatsächlich erreichbar oder lediglich Utopie?

© jonasginter - Fotolia.com

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Kritik an Bundesregierung

Mit dem Ziel 100 Prozent Erneuerbarer Energien in der Bruttostromerzeugung bis 2030, kritisieren die Grünen auch indirekt die Zielvorgaben der Bundesregierung. Aktuell visiert man nämlich etwa 50 Prozent Grünstromanteil für das Jahr 2030 an. Momentan liegt der Anteil immerhin schon bei 25 Prozent. Das Ziel der Bundesregierung wirkt daher ziemlich realistisch, insbesondere wenn man sich den Zuwachs erneuerbaren Stroms innerhalb der letzten Jahre anschaut. Zwischen einer hundertprozentigen erneuerbaren Versorgung und einer fünfzigprozentigen liegen allerdings, vor allem infrastrukturell, Welten.

Fluktuation, Netzausbau und Speicher

Wind- und Solarenergie, die bisherigen Hauptsäulen erneuerbarer Stromversorgung, sind fluktuierend und daher nicht nachfragegerecht steuerbar. Wie man die Lücken stopft ist bislang noch nicht in Gänze geklärt. Einige Experten sehen eine Kombination aus grundlastfähigen erneuerbaren Energien, wie Biogasanlagen, Speichern, leistungsfähigen Netzen und sogenannten Back-Up Kapazitäten als sinnvollste Variante. Das Back-Up ist ein Markt mit konventionellen Anlagen, die dafür vergütet werden, dass sie sich für mögliche angebotsseitige Lücken zum Ausfüllen dieser bereithalten. Schon dadurch wäre eine hundertprozentige erneuerbare Stromversorgung nur auf dem Papier real. Der Ausbau der Netze und insbesondere leistungsfähige Speicher sind weitere Baustellen, die innerhalb von 15 Jahren kaum flächendeckend zu beheben sind. Die Zielstellung der Grünen ist daher weniger realistisch als die der Bundesregierung, doch durch technologische Vorstöße können sich auch hier unerwartete Impulse ergeben, die das Ziel vielleicht doch eher wahr werden lassen als man heute vermutet.


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