Aktuelle Studie: Stadtwerke agieren zu zurückhaltend

Daniel Reissmann 1. September 2015 0


Vor dem Wandel innerhalb der Energiewirtschaft können sich auch die kommunalen Versorger nicht verschließen. Die meisten Stadtwerke wissen das, kommen allerdings trotzdem nicht aus der Reserve, wie eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young in Kooperation mit dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) nahelegt. Es mangelt insbesondere an innovativen neuen Geschäftsmodellen, obwohl die Konkurrenz, insbesondere kleinere Unternehmen bereits einige neue Konzepte umsetzen. Auch Ernst & Young hat Geschäftsmodelle identifiziert mit denen die Stadtwerke ihre Kunden an sich binden und sogar neue hinzugewinnen könnten. Allerdings setzt kaum ein Versorger bislang eines der neuen Modelle um.

Vojtech Soukup - Fotolia.com

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Festhalten am Altbewährten

Sogar die großen Energieversorger müssen umschalten und beginnen damit ihre Geschäftsaktivitäten an die neuen Bedingungen im Markt anzupassen. Nur auf Ebene der lokalen Versorger tut sich bislang noch wenig. Der BDEW warnt daher davor, dass einige Stadtwerke den Wandel verschlafen. „Nur diejenigen Unternehmen, die sich über neue Geschäftsmodelle, über Kooperationen und auch Auslagerungen von Tätigkeiten Gedanken machen, werden Treiber und nicht Getriebene ihrer unternehmerischen Entwicklung sein.“, appelliert beispielsweise Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin des BDEW. Für die meisten kommunalen Versorger bedeutet die Energiewende lediglich das Betreiben einiger regenerativer Anlagen und das Verkaufen des Stroms direkt an den Kunden oder an der Börse. Daher, dass sich im Markt mittlerweile sehr viele Akteure tummeln ist eine derartig passive Strategie kaum zu empfehlen. Sogar die eigenen Kunden versorgen sich, durch PV-Eigenstrom, bereits selbst und sind daher nur noch bedingt auf die regionalen Stadtwerke angewiesen.

Den Branchenwandel nutzen

Aber die neuen Herausforderungen bringen durchaus auch Chancen mit sich, wie die Studie offenbart. So könnten Stadtwerke gezielt Dienstleistungen, die im Zusammenhang mit PV-Anlagen für Eigenstrom stehen, anbieten. Anstatt Strom zu verkaufen könnten Anlagen verkauft oder verpachtet werden. Bei Industriekunden könnten die Dächer für Solaranlagen genutzt werden, sodass das Unternehmen mit dem eigenen Strom vom Dach beliefert wird und nicht durch Börsenstrom, der zudem weitaus teurer ist. Mit intelligenten Steuertechnologien und Speichern könnten zudem Verbrauchsspitzen abgefedert werden, sodass es nicht zu Engpässen in starken Produktionszeiten kommt, wofür dann auf teureren Strom zurückgegriffen werden muss. Letztlich ist die Bandbreite an innovativen Geschäftsmodellen sehr groß, auch für die kommunalen Versorger. Doch eines legt die Studie auch nahe, viele der Stadtwerke schätzen die Erfolgschancen als sehr gering ein. Insbesondere politische Regularien werden als Hemmnisse für innovative Geschäftsmodelle genannt. Mietstrommodelle oder Direktbelieferungen sind mit der aktuellen Version des EEG schwer zu vereinbaren, weshalb die meisten Stadtwerke hiervor zurückschrecken. Für die meisten kommunalen Versorger ist es schwierig umzudenken und sich den Herausforderungen eines innovativen Marktes zu stellen. Die Studie weist allerdings darauf hin, dass es künftig kaum machbar ist sich Innovationsstrategien zu verschließen. Dafür ist die neue Energiewelt zu sehr durch innovative Prozesse, Services und Produkte geprägt.


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